Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1516526
Propheten und 
Die 
Sibyllewz. 
169 
gen lehnt, die alte Tiburtinische dagegen an dem Ende des 
Bildes sitzt. Zwischen beiden steht ein kleiner Genius, sich 
auf eine Tafel stützend, mit der Inschrift: „Ich werde 
öffnen und auferstehen. i" Und über der letztern 
schwebt noch ein Engel mit geöffneter Pergamentrolle, wor- 
auf aus Virgifs vierter Ecloge folgende Stelle des siebenten 
Verses steht: „Schon ein neues Geschlecht." Den 
Hintergrund bildet, wie bei den Propheten, eine dunkel ge- 
haltene Architektur, so dass die Figuren sich, der allgemei- 
nen Wirkung nach, leuchtend absetzen. Siehe I S. 190. 
Die herrlichen Gestalten der Sibyllen sind auch auf 
das meisterhafteste ausgeführt und es kann bei Kunstver- 
stäudigen keinem Zweifel unterworfen bleiben, dass nur 
Rafaefs eigene Hand sie hervorgebracht. In gewisser Be- 
ziehung stehen sie den drei Cardinaltugeildcn in der Stanza 
della Segnatura nahe, allein sie sind noch freier und doch 
mit gleicher Sorgfalt behandelt; in der Wirkung von grösse- 
rer Kraft und Haltung, in der Färbung tiefer und glühen- 
der. Wenn nun Vasari behauptet, dass Rafael diese Si- 
byllen gemalt habe, nachdem er die Malereien des Michel 
Angelo in der Capelle Sixtina gesehen, und plötzlich seine 
Manier geändert und ihr mehr Grandiosität gegeben, so 
ist zwar ersteres unbezweifelt richtig, allein in letzterer 
Hinsicht ist nur im Allgemeinen zuzugeben, dass des Mi- 
chel Angelo grossartige Darstellungsweise auf die Entwick- 
lung von RafaePs Talent einwirkte, ohne dass er deswegen 
seine Individualität aufgegeben und etwas ihm fremdartiges 
angenommen hätte. Ja, grade diese Propheten und Sibyllen 
beweisen dieses auf eine schlagende Weise, da sie des Ra- 
fael Genius durch und durch, aber im Geringsten keine 
Nachahmung nach Michel Angelo zeigen. Ein grober Ver-_ 
stoss ist eine andere Angabe, welche noch zuletzt Carlo 
Fea in seinen Notizie intorno Raffaele Sanzio etc. Roma 
1822 p. 2 wiederholt, dass Rafael nämlich seine Sibyllen 
denjenigen nachgeahmt habe, welche sich in der Kirche S. 
Francesco zu Assisi, angeblich vom Ingegno gemalt, beüll- 
den; während doch nach dem noch vorhandenen Contract 
und den Zahlungsbescheinigungen diese Malereien von Adone
        

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