Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1516332
150 
Gemälde 
UON 
1508 
bis 
1513. 
Holz 
Von 
100. Madonna 
auf Leinwand Iübertragen- 
del pesce. 
Hoch 6! 711 6:1 
Maria auf einem Throne Sitzend, hält das auf ihrem 
Schoos stehende Christkind; beide blicken huldreich nach 
dem kleinen Tobias, der einen Fisch hält und vom Engel 
Raphael dem göttlichen Kinde empfohlen wird. Rechts 
steht bei seinem Löwen der h. Hieronymus, in einem grossen 
Buche lesend, in dessen Blätter auch das Jesuskind sein- 
linkes Ärmchen hält, als habe es früher über eine Stelle 
mit dem Kirchenvater I gesprochen und wolle nach Erhö- 
rung des Bittenden wieder darauf zurückkommen. Den Hin- 
tergrund bildet ein grosser Vorhang, rechts sieht man et- 
was Luft. Siehe I S. 213. 
Nach Vasari könnte man glauben, Rafael habe dieses 
Altarblatt in Neapel gemalt: nfece a Napoli una tavola, la 
quale fn posta in S. Domenico nella Capella dov, e il Cro- 
cilisso "che parlo a San Tommaso d'Aquino." Allein der- 
selbe Schriftsteller sagt in seiner eigenen Lebensbeschrei- 
bung, dass „ seit Giotto bis auf ihn nichts bedeutendes in 
Neapel sei ausgeführt worden, obgleich einiges von aus- 
wärts, wie die Altartafeln von Perugino und die von Rafael 
dahin seien gesendet worden." Islierdurch sind denn alle 
Zweifel beseitigt. Das herrliche Werk wurde im Jahr 1655 
von Philipp IV König von Spanien erstanden und in der 
Lorenzkirche des Escurial" aufgestellt f). Dort erhielt es 
nun wegen des Fisches, den der kleine Tobias hält, die 
Benennung „Madonna del pez," oder auch, da die Tafel 
aus fünf Bretern bestand, „el quadro de las cinco 'I'ablas." 
Im Jahr 1813 nahmen die Franzosen auf ihrem Rückzug 
das Bild mit nach Paris, wo es durch Bonnemaison vom 
Holz auf Leinwand übertragen wurde. Da die Herstellung 
des Bildes bei dem Friedensschluss von 1815 noch nicht 
vollendet war, so wurde auf Vcrvrendung des Herzogs von 
Wellington bis zum Jahr 1822 damit fortgefahren, und 
1) Fr. De los Santos Descriptionx del real {Nlonasterio del Esco- 
rial. Madrid 1681 p. 72 erwähnt dieses Bild im obern Kloster.
        

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