Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514611
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1515870
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Zimmer 
della 
Segna tura. 
stenthum predigen. Es ist daher ein Verdienst des Bel- 
lori in seiner „Descrizi0ne delle immagini dipinte da Ba- 
faello nelle camere del Vaticano. Roma 1695" kl.fol. eine 
umfassende und den I-Iauptgegenstand richtig angehende 
Beschreibung jenes Gemäldes geliefert zu haben. Im Ein- 
zelnen folgte er indessen aus Mangel an gründlicher Kennt- 
niss unsichern Nachrichten und Überlieferungen, auf denen 
seitdem, oft sehr willkürlich, fortgebaut worden ist. 
Die Portraite anbelangend, welche im Gemälde der 
Schule von Athen angebracht sind, so ist zu erinnern, dass 
zu Rafaefs Zeiten nur sehr wenige von denen der antiken 
Philosophen aufgefunden waren; Rafael scheint selbst nur 
das des Sokrates gekannt zu haben. Die Bildnisse, welche 
Vasari von des Künstlers Zeitgenossen angibt, sind die der 
Herzoge von Urbino und von Mantua, des Bramante, des 
Perugino und das des Malers selbst. Spätere Schriftsteller 
wollten in der mächtigen Gestalt des vorn bei den Schii- 
lern des Aristotele stehenden Stoikers, mit kahlem Kopf 
und langem Bart, das Bildniss des Cardinals Pietro Bembo 
erkennen; allein dieser war, als Rafael starb, erst 40 Jahr 
alt, liess sich auch, wie aus seinem Briefwechsel mit Ti- 
tian hervorgeht, erst viel später den Bart wachsen. Mon- 
tagnani vermuthet dagegen, dass unser Philosoph den Car- 
dinal Bessarion vorstelle, welcher des Aristoteles Metaphy- 
sik ins Lateinische übersetzt. Auch befand sich dessen 
Bildniss, von Bramantino gemalt, ehedem im Zimmer des 
Ileliodor. Da uns dieses indessen nicht bekannt ist, die 
Sitte, sich den Bart wachsen zu lassen, auch nicht im 15., 
Sondern erst zu Anfang des 16. Jahrhunderts von Geistli- 
chen angenommen wurde, so scheint mir jene Angabe noch 
zweifelhaft. Sicher ein Irrthum ist es, wenn 'l'0rrigo (Sao. 
Grotte Vaticane- p. 278) in der Figur des Astrologen das 
Bildniss des Grafen Castiglione zu erkennen glaubt, da es 
mit dem von Rafael gemalten nicht die geringste Ähnlich- 
keit zeigt. Noch unglücklicher ist die Angabe, dass in die- 
ser Figur Gio. della Casa portraitirt sei, indem derselbe, 
als Rafael starb, noch "ein Knabe war. Diese wenigen Wi-
        

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