Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1508985
ßaanniis 
Reimclzronik. 
35 
{es sind dem Auszuge des Originals  beigegeben; und aus 
ihm selbst ist die Art und Weise zu ersehn, in welcher 
Giovanni seinen Gegenstand behandelt, und in welchem 
Masse ihm Poetisches Verdienst zuzuerkemlen sei. Sollte 
man nun finden, dass er in der Malerei grössern Ruhm 
als in der Dichtkunst verdient, ja dass er oft nicht mehr 
als eine in Terzinen geschriebene Chronik gibt, so kom- 
men doch auch Stellen vor, welche die Begebenheiten mit 
Leben Quud Wahrheit darstellen, andere, die gewichtige 
Sentenzen enthalten, oder wahrhaft poetische Gedanken, 
wie namentlich in der Beschreibung des Hinscheidens der 
Herzogin Battista, der zweiten Gemahlin des Herzogs Fe- 
derico. Ausserdemtdarf nicht übersehen werden, dass das 
Leben seines Helden nicht den Anforderungen entsprechen 
konnte, welche an ein Heldengedicht zu stellen sind; und 
was die Reinheit des Styls betrifft, worin Giovanni aller- 
dings viel zu wünschen übrig lässt, so ist zu bedenken, 
dass, da die italienischen Dichter jener Zeit selbst nur sel- 
ten in dieser Hinsicht befriedigen, dieser Mangel bei dem 
Maler um so weniger strenge zu rügen ist. Wie scharf 
oder nachsichtig man indessen auch den Werth des Ge- 
dichtes oder, wenn man lieber will, der Reimchronik beur- 
theile, immer hat sich Giovanni Santi dadurch einen eh- 
renwerthen Rang unter jenen gebildeten Künstlern erwor- 
ben, die uns zugleich Werke des Pinsels und der Feder 
hinterlassen. Selbst ehrwürdig und wahrhaft rührend ist 
des Giovanui Liebe und Hingabe zu nennen, mit welcher, 
ohne irgend besondere Begünstigungen erlangt zu haben, 
er an seinen Landsherren Federico und Guidubaldo, zwei 
der edelsten und talentvollsten Männern und Fürsten ihrer 
Zeit, gehangen hat. Durch sein Gedichfhat er sich da- 
her, indem er den Ruhm seines verehrten Fürsten zu ver- 
herrlichen strebte, selbst ein Denkmal gestiftet, das zwar 
seit Jahrhunderten unter Staub verborgen, ihm nun die 
allgemeine Zuneigung und Achtung bis in die spätesten 
Zeiten sichern muss. 
Anhang 
Siehe
        

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