Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514278
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Rafaefs Grab. 
alle Anwesenden ohne Ausnahme, obgleich bis jetzt keine nä- 
here sonstige Bezeichnung sich gefunden, in Erwägung des 
Ortes, den unmöglich ein" Anderer sich hätte erwerben kön- 
nen, mit vollkommenster Überzeugung für Rafaefs unbestreit- 
bare Gebeine anerkannten. WVelcH ein Schauer uns anwan- 
delte als zuerst die Uberreste des theuern Meisters aufge- 
deckt da lagen, das wirst Du aus dem, was unfehlbar in Dir 
selber vorgeht, wenn Du dies liesest, besser abnehmen können, 
als ich es Dir zu sagen vermöchte. 
Du magst also nun den Vasari zur Hand nehmen und 
nach Durchlesung der Stelle Dir die lilarmorstatue der Ma- 
donna von Lorenzetto auf dem Altar links vom Eingang ins 
Gedächtniss zurückrufen, den Altar selber aber, d, h. die 
Mensa vor der Statue weggeräumt denken und senkrecht un- 
ter der Mutter Gottes ist es, unter einem eigends dazu con- 
struirten niedern Bogen, wo in der Höhe von kaum zwei Palm 
über dem Boden der Kirche die Gebeine ruhn, so dass sich 
buchstäblich bewährt, was Vasari berichtet, dass die Statue der 
Madonna selber ihm zum Grabmal dient, ein Grabmal, wie 
es sich wohl nicht leicht grossartiger denken liesse. 
Möge denn ein für die Kunstgeschichte gewiss so merk- 
würdiges Ereigniss auch nicht ohne segensreiche Folgen für 
unsere und die kommenden Zeiten bleiben; möchten, im An- 
denken des Hochverehrten, Viele würdig werden, Erben sei- 
nes Geistes zu werden, der wohl leider! viel tiefer begraben 
liegt, als seine Gebeine. Es ist von feierlichen Exequien die 
Rede, die aber leicht bis zu einer Jahreszeit aufgeschoben wer- 
den diirften, wo die Rotonda keine Überschwemmungen zu 
fürchten hat. Was sonst geschehen wird, weiss ich noch nicht, 
doch wird man vermuthlich nach wenigen Tagen, die der Neu- 
gier eingeräumt werden, die Gebeine in einen marniornen Sar- 
kophag einschliessen, den der Maggiordomo bereits dazu an- 
geboten hat, und dann am nämlichen Ort vermauern. Der 
ehemalige Rafaelische Schädel aber hat sich bei dieser Gele- 
genheit durch vorgefundene Documente nun als der Schädel 
des Stifters der (seit 1539 bestehenden) Congregation dei vir- 
tuosi, eines Canonicus der Rotonda (D. Desiderio d'Adjutori0) 
ausgewiesen. Hoffentlich erhalten wir statt seiner nun einen 
Gypsabguss vom echten, der vollkommen erhalten ist und 
zum sichern Beweis seines Alters alle Zähne bewahrt.  

        

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