Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514202
Rafael 's 
Über 
Tod. 
557 
sein Genius alles gewöhnliche Mass überschritt. Wenn nun die 
vermeintliche Ausschweifung Rafaefs bis jetzt leichtgläubig an- 
genommen, ja öfters mit einer Art von wohlgefalliger Ent- 
schuldigung betrachtet wurde, so beweist dieses nur, dass von 
Vasarfs Zeiten an bis auf unsere Tage oftmals eine solche 
Lebensweise als untrennbar von Genialität ist betrachtet wor- 
den, und verirrte Künstler von Talent nur zu oft Anlass zu 
einer solchen Ansicht gegeben;  
Bei unserer hier ausgesprochenen Überzeugung müssten 
wir uns dem ersten Secretair der Akademie von S. Luca in 
Rom, dem Abate Melchior Misserini fiir die in der Uber- 
setzung des Werkes von Quatremere de Quincy von Longhena 
p. 441 gemachte Mittheilung in hohem Grad verbunden fiih- 
len, indem er behauptet, aus dem Munde des verstorbenen 
Abate Francescb Girolamo Cancellieri eine sehr genaue Aus- 
kunft iiber die Ursache von Rafaefs Tod erfahren zu haben, 
die dieser in einem Manuscript der Bibliothek des Cardinals 
Antonelli gefunden und folgenden Inhalts sei: "Rafael war von 
einer sehr edeln und zarten Complexion, so dass sein Leben 
nur wie an einem Faden am Körper hielt, denn er war ganz 
Geist. Ausserdem minderten Sich dessen physische Kräfte sehr 
durch seine übermässigen Anstrengungen, und es ist zu ver- 
wundern, wie Vieles er in so kurzer Zeit zu leisten vermochte. 
Als er nun einst in der Farnesina sich sehr erschöpft fühlte, 
sendete der Papst zu ihm, um augenblicklich an den Hof zu 
kommen. Er lief daher, um sich nicht zu verspäten, in einem 
Athem in den Vatican und kam daselbst in starker Transpira- 
tion an. Hier befand er sich nun in einem grossen Saal und 
sprach lange über den Bau der Peterskirche, so dass sein 
Schweiss durch Erkältung zuriicktrat und er sich plötzlich von 
einer Krankheit befallen fühlte. Zu Hause angekommen, ver- 
fiel er in ein hitziges Fieber, das ihn ungliickseliger iVeise 
bald ins Grab brachte."  Allein wir müssen bedauern, dass 
diese Angabe ohne allen Grund ist; denn nach näherer Un- 
tersuchung ergibt sich, dass der tretfliche Cancellieri nie eine 
Nachricht jener Art gefunden. Nur so viel wissen wir, dass 
er einst gegen den Cavaliere Vincenzo Camuccini, der über 
den Tod RafaeYs mit ihm sprach, sich äusserte: „er hoffe 
beweisen zu können, dass keinem Weibe der frühe Tod Ba- 
fael's zuzuschreiben sei." Auch Padre Pungileoni bezeugt in 
seinem Elogio storico di Ratfaello Santi p. 245, dass, obgleich 
er sich des Umgangs mit Cancellieri erfreute, ihm dieser doch 
niemals etwas von einem Manuscript, welches Nachrichten über
        

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