Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1514191
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Über 
Rufa el's 
Tod. 
„Der Cardinal Bibiena drängte Bafaeln eine seiner Nichten zu 
nehmen, allein dieser wollte die Vermählung nicht vollziehen, 
indem er von der grossmiithigen Freigebigkeit des Papstes 
Leo einen rothen Hut erwartete, den er eben sowohl wegen 
seiner Arbeiten, als wegen seiner Talente glaubte verdient 
zu haben. Zuletzt aber, indem er seinen verliebten Leiden- 
Schatten über die Massen die Zügel schiessen liess, starb er 
im Alter von 37 Jahren, an demselben Tag, an welchem er 
geboren," 
Vasari, welcher fast dieselben Ausdrücke gebraucht, scheint 
daher für seine Angaben, den Tod RafaeYs betreffend, keine 
andere Quelle, als die eben mitgetheilte Stelle aus Fornari 
gehabt zu haben; indessen malt er sie nach seiner Weise wei- 
ter aus, und sagt, dass Rafaeln der Cardinalshut auch deshalb 
vom Papst sei zugedacht worden, weil dieser ihm grosse Sum- 
men fiir seine Arbeiten geschuldet, und die Erhebung zum 
Cardinal dem Künstler als Belohnung habe dienen sollen. So- 
dann gibt er als Ursache des Todes Raifacfs an, dass er aus 
Schamhaftigkeit den Ärzten die wahre Ursache seines Fiebers 
verheimlicht habe, so dass diese, statt ihm stärkende Mittel 
zu geben, ihm zur Ader gelassen hätten, wodurch er aus Er- 
schöpfung das Leben habe lassen müssen.  Das Verdäch- 
tige dieser Aussagen muss sogleich auffallen, wenn wir uns 
erinnern, dass die Angabe, worauf die ganze Erzählung ge- 
baut ist, nämlich dass Rafael sich Hoffnung habe machen 
dürfen, zum _Cardinal erhoben zu werden, aus schon angeliihr- 
ten Gründen als eine reine Erfindung zu betrachten ist. Fer- 
ner scheint es unbegreiflich, wenn man mit Fornari und Va- 
sari annehmen wollte, Rafael habe sich den fleischlichen Liisten 
schrankeulos hingegeben, wie er dabei doch bis wenige Tage 
vor seinem Tode eine Energie und Anstrengung seines Geistes 
habe zeigen, wie er selbst physisch eine ungewöhnliche Thä- 
tigkeit habe entwickeln können, die unmöglich bei einem Men- 
schen ist, der sich durch Ausschweifungen zerstört, da bei ei- 
nem solchen immer erst längere Zeit hindurch eine grosse Ab- 
spannung eintritt, ehe die völlige Auflösung erfolgt. 
Nach dem, was wir von BafaeYs Wirksamkeit in Seiner 
letzten Zeit, besonders durch Fulvio, wissen, und dem edeln 
Charakter des grossen Künstlers weit angemessener, ist die 
Annahme, dass, wie schon angegeben, die rastlose Thätigkeit 
seines Geistes und die Gluth seiner Phantasie seinen zarten 
Körper im Ubermass angestrengt und zuletzt aufgerieben; dass 
der herrliche Mann um so schneller physisch unterlegen, als
        

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