Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1508791
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Giovannik 
Werke. 
Sitz und hält das Christkind auf dem Schoose; dieses blickt 
den Beschauer an und gibt den Segen mit der Rechten, 
während es in der Linken eine Nelke hält. Es ist fast 
ohne alle Bekleidung, nur unter der Brust hat es eine 
röthliche Binde und um den Hals eine Korallenschnur. Die 
Mutter mit geneigtem Haupte betrachtet es ernst bewun- 
dernd, indem sie die linke Hand erhebt, was sich bei den 
Madonnen des Giovanni oft wiederholt. Links steht die 
Kaiserin Helena im Purpurmantel, das Haupt mit einem 
gelben Schleier bedeckt, und darauf eine hohe, mützenför- 
mige Krone. Das Kreuz hält sie im -linken Arme und mit 
der Rechten zeigt sie einen der Nägel. Hinter ihr erblickt 
man den Patriarchen Zacharias aus Konstantinopel, einen 
ehrwürdigen Greis mit langem, weissem Barte, in einen 
weiten, grünen Mantel gehüllt, ein Kreuzchen und ein Buch 
haltend. Gegenüber, rechts steht vorn der h. Rochus mit 
Pilgerstab und Hut, auf seine Pestbeule schmerzlich deu- 
tend. Hinter ihm S. Sebastian, dessen feines Profil, wahr- 
haft Rafaelisch schön, himmlisches Eiltzücken ausspricht. 
Von grosser Lieblichkeit sind auch zwei Engelsköpfchen auf 
kleinen Wolken schwebend, von denen das eine nach oben, 
das andere nach unten blickt. Auf ihren Flügeln tragen 
sie, der h. Jungfrau dienend, die Stange des Teppichs, 
der ihrem Sitz als Rücklehne dient. Den Hintergrund bil- 
det eine hügeliche Landschaft; zierlich  krause, scharfbe- 
leuchtete Wölkchen schweben am blauen Himmel. Auf 
der vordern Seite der Thronstufe steht: JOHANES. SAN- 
TIS. vmn. r. Dieses Altarblatt übertrifft an Schönheit 
der Zeichnung, grossartigem Faltenwurfe und Kraft des 
Ausdrucks bei weitem Giovannfs erst erwähntes Bild. Die 
Kinderköpfcheil haben selbst einen Liebreiz, der den in den 
Bildern Rafaefs schon vorahnen lässt. Die Figuren sind, 
wie durchgängig bei Giovanni, etwas schlank, die Hände 
und Füsse sehr schmal gehalten; die Mundwinkel fein und 
meist etwas herabgezogeil. Die Conturen dunkel umrissen, 
haben daher eine gewisse Härte, wie denn auch in der 
Färbung oder dem Colorit die feinen Mitteltinten und Re- 
liexe fehlen, ein Mangel, der bei den Malern jener Zeit
        

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