Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1513652
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Über 
die 
Maler 
der 
Umbrisclzen 
Schule. 
 Umrissen und keinesweges mit der Zartheit behandelt, wie 
ein so kleines Bild erfordert. Es zeigt uns die halbe Fign 
der stehenden Maria, welche auf dem linken Arm das se; 
nende Christkind hält. Sie hat nach Art des Perugino e 
Tuch mit einer Schleife um den Kopf, und an ihrem dunke 
blauen Mantel ist ein Stem und der Saum stark mit G0] 
aufgetragen. Der landschaftliche Hintergrund mit einem Bäun 
chen, ist ganz so behandelt wie in der Frescomalerei am Th( 
zu Assisi. Die Formen der Gesichtsbildung sind wie ilnmc 
voll und derb, das Kinn Stark vorstehend und verzeichne 
Der Ton der Schatten in der Carnation ist röthlichbraun, di 
Lichter weisslich. Irriger Weise wird das Bildchen dem Ra 
fael zugeschrieben, daher ich es schon im Leben des Giovanr 
Santi als ein apokryphes Jugendwerk seines Söhnchens er 
wähnt und die falsche Aufschrift mitgetheilt habe, was hie 
nicht zu wiederholen ist.- 
Gleichfalls fiir ein Jugendwerk des Ingegno halte ich de] 
in Fresco gemalten Erzengel Michael, jetzt im Hause des Mar 
chese Gualtieri zu Orvieto. Dieser etwas zu jugendlich um 
graziös gehaltene Engel steht hier zierlich auf einem über 
wundenen Drachen, senkt das in der Rechten haltende Schwer 
Imd stützt die Linke ritterlich in die Seite. Seine reichver- 
_zierte Rüstung erinnert an ähnliche bei Perugino, und du 
Landschaft mit der Aussicht aufs Meer, und mit zackiger 
Felseninseln und Vorgebirgen von einigen zierlichen ßäumcher 
des Mittelgrundes durchschnitten, an die Art des Pinthricchio. 
Des Engels Kopf mit langherabfallenden Haaren ist jedoch 
ganz nach des Ingegno 'Weise geformt, und in den Händen 
zeigt sich eine feine Beobachtung natürlicher Grazie. Ehedem 
war dieses Bild in der Capelle der Madonna di S. Brizio, 
im Dom zu Orvieto und zwar zur Seite einer Nische mit ei- 
nem Altar, welcher der Familie Gualtieri gehört. Als die- 
ser 'Theil erneut: wurde, sägte man das Bild des Andrea di 
Luigi heraus und brachte es in das Haus der Familie. Hier 
entdeckte es Cornelius ums Jahr 1812 vernachlässigt in einer 
verlassenen Küche, zog es hervor, stellte es her und liess es 
in der Hauscapelle aufstellen, wo es sich noch befindet. iVenn 
der Name des Ingegno nicht in der Geschichte des Doms von 
Orvieto des P. della Valle vorkommt, so ist zu bedenken, dass 
die Familie Gualtieri das Frescobild ausführen liess, daher die 
Berechnung sich nicht in den Büchern des Doms verzeichnet 
finden kann. 
Das schon erwähnte grosse Madonnenbilrl über dem Thor
        

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