Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1508769
G iovannfs 
Künstlerbildzavzg. 
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ncn, als ob er nicht im besten Einverständniss mit Meister 
Justus gelebt habe, der aus seiner Kunst in Öl zu malen 
ein unerforschliches Geheimniss in Italien diirfte gemacht 
haben  und. deshalb den Umgang mit den dortigen Kunst- 
genossen sehr beschränkte. Sicher ist, dass weder Gio- 
vanni Santi noch die andern Maler der Umgegend bis zu 
Ende des 15. Jahrhunderts in Öl zu malen verstanden, und 
nur zwei unbedeutende Fälle in Urbino vorliegen, woraus 
ein niederländischer Einfluss auf die italienische Tempera- 
Inalerei zu entnehmen wäre.  
Lobend erwähnt Giovanni dagegen in seinem Gedicht 
die meisten Namen der bessern Maler seiner Zeit, welche 
Toscana und Venedig, die Lombardei und die Mark Ancona 
verherrlichten, und scheint ihre Werke gekannt zu haben. 
Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass er die berühmte 
Altartafel, welche Gentile da Fabriano für die Romita di 
Val di Sasso malte, und das schöne Madonnenbild von Fra 
Angelico da Fiesole in Forano bei Osimo studirte, da er 
öfters in diese Gegenden muss gekommen sein. Der wackere, 
gründliche Paolo Uccelli aus Florenz malte selbst in Urbino 
im Jahr 1468 für die Bruderschaft zum Corpus Domini; 
und der ausgezeichnete Meister Pietro della Francesca di 
Borgo di San Sepolcro wohnte sogar im Jahr 1469 in 
Giovannfs Haus auf Kosten obenerwähnter Briiderschaft, da 
er für sie eine Altartafel fertigen sollte, die er aber aus un- 
bekannten Ursachen nicht ausführte. Dagegen malte er in 
Urbino unter andern die Bildnisse des Herzogs Federico 
nebst seiner Gemahlin Battista Sforza, welche jetzt die {io- 
1) In neuerer Zeit ist besonders durch die Herausgabe des 
Tractats der Malerei von Cennino Cennini, in welchem auch die 
Ölmalerei im 39. Capitel abgehandelt wird, wieder in Frage ge- 
stellt worden, ob die Brüder van Eyck wirklich als Erlinder der 
verbesserten Art in Öl, oder mit, Ölfirniss zu malen, dürften an- 
gesehen werden?  Hierauf diene Folgendes: Nach Vasari fällt. 
jene Entdeckung der van Eyck ins Jahr 1410; Hubert van Eyck, 
der auch in _Öl gemalt, starb 1426; der Tractat des Cennino Cen- 
nini aber ist erst im Jahre 1437 geschrieben, wie dieses am Ende 
desselben angegeben ist; also 27 Jahre nach der Erfindung" der 
van Eyck und 11 Jahre nach Huberfs Tode.
        

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