Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1513054
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Giovannfs 
Werke. 
ten Dominicanerkirche in grosser Verehrung gestanden und 
sei mit grünem Sammt bedeckt gewesen. 
Noch unentschieden ist es, ob die Tafel mit der mysti- 
schen Vermählung der h. Katharina von Siena in der Domi- 
nicanerkirche zu Pesaro dem Giovanni Santi darf zuge- 
schrieben werden; wäre es erwiesen, so müsste das Bild als 
eins seiner friihsten Jugendwerke betrachtet werden, indem des 
Meisters Individualität sich noch weniger darin, als in der 
Heimsuchung zu Fano ausspricht; auch der Faltenwurf ist un- 
beholfner und den Charakteren fehlt jene Anmuth und Eigen- 
thiimlichkeit, die sich sonst in seinen Werken finden. _Dage- 
gen sind die Beiwerke, z. B. das braune Erdreich, die krau- 
sen Wolken und die felsige Landschaft, so wie auch der all- 
gemeine Eindruck, den das Bild macht, ganz mit des Gio- 
vanni Weise übereinstimmend. Neben der Hauptgruppe links 
stehen Johannes der Täufer und ein h. Dominicaner, rechts 
der Evangelist Johannes mit dem Thomas von Aquin. Die Fi- 
guren haben etwa halbe Lebensgrösse. Vor wenig Jahren ist 
das Bild von der Famile Macchinelli der Kirche wieder zuriick- 
gegeben worden und wird von einigen Kunstliebhabern einem 
Maler Giuliano Preciuto aus Fano zugeschrieben, allein mit 
Unrecht, da es von dessen Art sehr verschieden, auch aus ei- 
ner friihern Kunstepoche ist. Dieses beweist z. B. das Bild 
des ungläubigen Thomas in der Kirche dieses Apostels zu Fa- 
no, mit folgender Inschrift: IVLIAN, PSVTIB. FANI. ORIVNDVS. 
FACIEBAT. MDXLVI. Es ist ein an und für sich unwichtiges, 
aber doch noch erträgliches Bild, aus einer schon zur Manier 
stark hinneigenden Zeit.   
Für ein Gemälde von Giovanni hält man auch zuweilen 
eine Geburt Christi. Der h. Joseph und der h. Blasius stehen 
auf der einen Seite, und auf der andern der Märtyrer S. Vin- 
centius und S. Pier Damiano. Oben schwebt der h. Geist mit 
Engel und Cherubimköpfchen umgeben. Das Bild wird im 
Hause Liera zu Urbino aufbewahrt, gehört aber der Cathe- 
drale jener Stadt, und dürfte dasselbe sein, welches, wie wir 
zu Anfang dieses Abschnittes gesehen haben, von Am. Van- 
nucci, Mich. Dolci, Tommaso Marelli, Lazzari u. a. m. als 
ein Bild von Gioqanni in der Cathedrale ist beschrieben wor- 
den. Nun ist das Bild aber in Öl, in der Art der Mitte des 
16. Jahrhunderts gemalt; und die kniende Jungfrau, welche 
den Schleier über dem schlafenden Christkinde aufhebt, einer 
Darstellung RafaePs entnommen, welche im Pariser Museum 
unter dem Namen „le sommeil de Jesu" oder „la Vierge au
        

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