Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512562
Später 
Einfluss 
Rafaefs. 
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saal Ruspigliosi, dass sie mit mehr Glück als andere ihrer 
Zeitgenossen in-mythologischen Darstellungen dem grossen 
Urbinaten nachzueifern verstanden; obgleich auch hier mehr 
durch die Wahrheit schöner Formen und durch ein heite- 
res, kräftiges Leben, als durch das Beziehungsreiche der 
Darstellung im Ganzen und Einzelnen. Wie weit entfernt aber 
und untergeordnet die Kunstansichten ihrer Zeit gegen die 
Rafüells waren, beweisen alle Kirchenbilder, welche aus 
der Schule der Caracei hervorgingen. Kaum vermögen ein- 
zelne geniale Werke von Guido Reni durch eine gewisse 
Anmuth in iäläiblichen Bildungen und einige strenge Cha- 
raktere der Apostel, einige edle Gestalten von Dominichino für 
das Ersatz zu bieten, was ihnen an tiefer Bedeutung, an 
Erhebung der Seele und dem höhern Adel der Bildungen 
abgeht. Aber die Kunstausichten sollten, nachdem sie sich 
etwas gehoben, noch viel tiefer als jemals sinken, so dass 
es selbst dem schönen Talente des Carlo Maratti, der lei- 
denschaftlich für Rafael begeistert war, ihn studirte und 
Seine Werke herstellte, dennoch nicht möglich war, auch 
nur ahndungsweise den Geist Rafaefs hervorzurufen. Se- 
hen wir auf diese Weise selbst bei der grössten Abirrung 
der Kunst den Namen des Urbinaten durch Jahrhunderte 
hindurch hochgepriesen und in unversiegbarem Glanze leuch- 
ten, so blieb es doch erst dem Geist der Kunst unserer 
Zeit vorbehalten sich wieder zu dem tiefern Grunde jener 
grossen Vergangenheit zu neigen; namentlich ist es einigen 
gefeierten Künstlern unsers Vaterlandes gelungen in gewis- 
ser Hinsicht der Rafaelisehen Auffassungsweise sich zu nä- 
hern. Aber da eine jede lebendige, sich organisch ent- 
wickelnde Kunst nothwendiger Weise das Gepräge der Zeit 
ihrer Entstehung erhalten muss, so kann sie nur in einer 
neuen Gestaltung wahrhaft Grosses erzeugen und wird höch- 
stens mit dem ewig Wahren einer friihern hohen Geistes- 
bliithe übereinstimmen. 
So wird Rafael Santi aus Urbino zu allen Zeiten ein- 
zig in der Geschichte der Menschheit dastehen, und seine 
Werke, so lange noch ein Schein von ihnen auf Erden üb- 
rig bleibt, werden gleich einem göttlichen Strahle in dem
        

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