Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512342
Rafael? Schüler. 371 
den Dienst kunstliebender Fürsten, deren hohe Anforderlui- 
gen sie zwar willig anerkannten, gegen die sie aber, im Ge- 
fühl ihres persönlichen Werthes, auch ihre Unabhängigkeit 
zu behaupten wussten. 
Anders gestaltete sich das Verhältniss, in welchem de- 
ren Schüler heranwuchsen: Zwar hatte der Enthusiasmus 
für KnnSt nicht nachgelassen, wohl aber der Geist sich 
geändert, der besonders an den Höfen den Geschmack an 
leichten Productionen und am Üppigen begünstigte. Nicht 
mehr waren Naturwahrheit und die Tiefe des Gemüths der 
Born, aus welchem bei den Kunstbildungen die Ideale er- 
Stißgen; sondern man suchte jetzt den Schein des Neuen 
und der Meisterschaft, oder vielmehr die Bravour  des 
schnellen Produzirens, welche den im Rausche der Genuss- 
sucht abgestumpften oder verdorbenen Geschmack aufregen, 
durch Überreiz befriedigen könnte. Damit schwand denn 
auch die in frühern Zeiten durchwaltende Ansicht, dass die 
Kunst, wie ein jedes Vermögen des menschlichen Geistes, 
im Dienste höherer Zwecke stehen müsse, dass nur, indem 
' sie zur Verherrlichung "des öffentlichen, volksthümlichen 
_oder religiösen Lebens beiträgt, sie ihre Würde behaupten, 
ihren höhern Beruf erfüllen kann. In Folge der überüänd 
nehmenden Selbstsucht kam dagegen die Meinung auf, 
dass die Kunst um ihrer selbst willen bestehe, das Mit- 
tel wurde Zweck und die Ansichten sanken so tief herab, 
dass die Kunst nur als ein Genussmittel für Einzelne be- 
trachtet wurde. Man überliess" sich nun der Willkür, suchte 
die Schönheit nur in neuen Formen, fand den Zweck der 
Kunst in der Meisterschaft des Machwerks erfüllt; von 
Wahrheit und 'I'iefe der Ideen war nicht mehr die Rede. 
S0 entriss man die Kunst ihrer eigentlichen Grundlage, "und 
die nun völlig emancipirte Phantasie zog sie nach und nach 
zur lügenhaften Manier herab. Die Schüler der grossen 
Meister, frühe mit dem Hofleben yertraut und in solcher 
Umgebung noch in ihrer Jugendfülle herangebildet, konnten 
den Lochungen nicht widerstehen und wurden unaufhaltsam 
vom Strudel ergrifen.   
Bei den Schülern Rafaefs herrschte zwaäuso lange sie 
2
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.