Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512335
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Rafael 's 
Schiller. 
mir bekannt geworden, kann jedoch nur noch die Portrait- 
figur neben dem die Mßdßllna malendeil h. Lucas einiger- 
massen darauf Anspruch machen, in die Reihe der hier an- 
geführten aufgenommen zu werden, da dieses Bildiiiss noch 
zu Rafaefs Lebzeiten, oder doch nach einer von ihm ge- 
nommenen Zeichngg dürfte gemacht _worden sein. Hin- 
sichtlich dessen  noch weiter in Beziehung auf Ra- 
faelisehe Portraite fiiöunte gesagt werden, Verweise ich auf 
den besondcrn Abschnitt des Verzeichnisses, die Kllpferz 
stiehe nach RafaeTs Bildnisscn enthaltend. 
Nachdem Rafael von dieser Welt geschieden war, ent- 
stand zwar kein Genius mehrt, der sich mit dem seinigen 
hättc_ messen dürfen; allein sein in Liebe mächtiger Geist 
hatte eine grosse Schülerschaar herangebildet, in der er 
fortwirkte und in der einzelne seiner Richtungen sich ver- 
schiedenartig entfalteten, was hier weiter zu betrachten ist. 
Vor allen Dingen haben wir die Verhältnisse ins Auge 
zu fassen, unter welchen die Schüler RafaeFs sich bildeten, 
denn diese waren von denen, unter welchen Rafael und die 
andern grossen Meister seiner Zeit herangewachsen, sehr 
verschieden. Wie aus dem Friiheren erinnerlicll seirrwird, 
erhoben sich diese ausserordentlichcn Künstler von bürger- 
lichen und handwerksmässigell Grundlagen, die ihren Be- 
strebungen eine solide Basis gewährten. Sie entwickelten 
sich in einer Zeit allgemeiner Begeisterung iiir das Grosse 
und Schöne, in welcher sie, von volksthiimlicher Stimmung, 
und von belebenden Ideen gehoben, ihre 'l'alente zur Vir- 
tuositätausbildeten, und in kräftigem Selbstbewusstsein nur 
dem Gesetze folgten, welches Gott in ihre Herzen geschrie- 
ben. Ihnen wares um die Sache und deren höchste Vol- 
lendung zu thun, und wenn sie auch, um eine iluabhän- 
gige Stellung im Leben zu erhalten, "auf Erw-erb sahen, so 
fanden sie doch nur in dem höhern Streben Freude und Befrie- 
digung. Sie licssen sich daher auch nicht durch äussere Motive 
bestimmen , noch von Aussen vorschreiben, welchen Weg sie 
wandeln, welchem Ziel sie nachstreben Sollten. So traten erst, 
nachdem sie zur Selbständigkeit gereift, die grossen Meister in 

        

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