Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512287
Rafael 's 
Charakter. 
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dem, dass Rafael der Kunst zum Heile ward, zeigte er 
auch in seinem Leben, auf welche Weise mit den Grossen 
umzugehen sei, wie mit den Geringern und wie mit den 
Niedrigsten. Und sicher ist unter den bewundrungssvürdi- 
gen Gaben, die er besessen, eine von solcher Macht, dass 
ich im höchsten Grad darüber erstaune, wie der Himmel 
ihm die Kraft gab, in unserem Kunstleben eine Wirkung 
zu erreichen, welche der Art und Weise unserer jetzigen 
Künstler so fremd ist: Nämlich, wie die Maler, in Gemein- 
schaft mit Rafael arbeitend, so in Eintracht verbunden wa- 
ren, dass bei seinem Anblick eine jede übele Laune bei ih- 
nen erlosch und jeder niedere Gedanke ihnen entschwand. 
Diese Eintracht war in keiner Zeit so gross, als zu der 
seinen und hatte ihren Grund darin, dass er alle sowohl 
an Zuvorkormnenheit, als in der Kunst übertraf, aber mehr 
noch durch den Genius seiner Güte, welcher eine solche 
Fülle einnehmender und wohlwollender Liebe kundthat, dass 
selbst die Thiere ihn gleich den Menschen verehrten. Man 
sagt, dass er jedem Maler, ob er ihn nun gekannt, oder 
nicht, wenn ein solcher irgend einen Wunsch gegen ihn 
änsserte, sogleich zu helfen bereit war und seine Arbeit 
stehen liess. Er beschäftigte deren beständig eine grosse 
Anzahl, half ihnen und belehrte sie mit der Liebe, mit 
welcher man nicht einen Künstler, sondern seine eigenen 
Söhne zu behandeln pflegt. Daher geschah es denn auch, 
dass, wenn er zu Hofe ging, er von seinem Haus aus wohl 
von 50 ausgezeichneten und guten Malern begleitet wurde, 
die ihn dadurch zu ehren suchten. Genug, er lebte nicht 
wie ein Maler, sondern gleich einem Fürsten." 
Von der Gestalt Rafaefs entwarf Bellori folgendes 
treffende Bild: „Nach der Belehrung, welche uns die au- 
thentischen Portraite Rafaefs gewähren, namentlich das in 
der Florentiner Gallerie und das in der Schule von Athen, 
hatte er eine regelmässige, einnehmende und zarte Gesichts- 
bildung. Seine Haare waren braun, so auch seine Augen 
von sanftem, bescheidenem Ausdruck. Der Ton seiner 
Carnation ging ins Olivenfarbige. Im allgemeinen sprach 
sich in seinem Benehmen Grazie und Zartgefühl aus. Seine
        

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