Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512276
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Die Förderer 
Kunst Rafa el's. 
der 
weise kennen und gelangte zu tieferer Kenutniss des Gei- 
stes, welcher die höhere Bildung jener Zeit bewegte. Zwei 
Sterne waren es, Plato und Dante, welche damals in Italien 
Aller Blicke auf sich zogen und von unberechenbarer Wirk- 
samkeit wareu. Diese übten nun auch, wie wir schon öf- 
ters zubemerken Gelegenheit hatten, einen entschiedenen 
Einliuss auf Rafael aus. Während Plato ihn lehrte in den 
Harmonien des Weltalls das Göttliche, und vom Ursprung 
der Dinge ausgehend, das Allgemeine in der vielfach ge- 
stalteten Natur zu erkennen, das Wesentliche von dem Zu- 
fälligen zu unterscheiden, lernte er von Dante in allem 
Äusserlichen auf dessen höhere Bedeutung zu achten, und 
wurde durch dessen vielsinnige Dichtungen dazu angeregt, 
auch seinen eigenen Werken den tiefsinnigen Charakter des 
Symbolischen und Allegorischen zu geben. 
So günstig indessen alle diese Umstände auf Rafael 
einwirkten, so würden sie doch nicht hingereicht haben 
die grossen, herrlichen Werke hervorzurufen, welche wir 
nun vonseiner Hand bewundern; er bedurfte hiezu eben 
sosehr eines grossgesinntengfiir die Kunst begeisterten, an 
pecuiliären Mitteln reichen" Fürsten, der ihm ein weites 
Feld zur Entwicklung seiner Kräfte eröffnete, der von sei- 
nem schöpferischem Geiste Ungewöhnliches verlangte. Solch 
einen Fürsten fand Rafael sowohl in dem mit seinen An- 
forderungen an das Talent unersättlichen Papst Julius II, 
als in dep in. der Kunst schweigenden Mediceer Papst 
Leo X.  
 Von RafaeFs liebenswürdigem Charakter gab uns schon 
der Brief des Coelio Calcagnini ein schönes Zeugniss, in- 
dem er darin eben so anspruchslos und bescheiden, als geist- 
voll und wohlthätig erscheint. Bei mehreren Gelegenheiten 
erwähnten wir auch, wie unermüdlich gefällig er gegen an- 
dere Künstler, besonders gegen seine Schüler, denen er 
auf jede Weise Vorschub leistete, gewesen. WVelchen Zau- 
ber erdadurch auf seine Umgebung ausiibte, bezeugt Va- 
sari, indem er voll Bewundriing ausruft: „O du glückliche 
und gebenedeite Seele, von welcher jedermann gerne redet, 
um dich und deine Handlungen zu erheben. Denn ausser-
        

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