Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512261
Der 
der 
Geist 
Zeit Rafaefs. 
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Schellings zu bezeichnen wüsste. „Die Kunst, sagt er, ent- 
springt nur aus der lebhaften Bewegung der innersten Ge- 
müths- und Geisteskräfte, der Begeisterung. Alles, was 
von schweren oder kleinen Anfangen zu grosser Macht und 
Höhe herangewachsen, ist durch Begeisterung gross gewor- 
den. So Reiche und Staaten, Künste und Wissenschaften. 
Aber nicht die Kraft des Einzelnen richtet es aus; nur der 
Geist, der sich im Ganzen verbreitet. Die Kunst insbe- 
sondere ist, wie die zärteren Pflanzen von Luft und Wit- 
terung, so von öffentlicher Stimmung abhängig, sie bedarf 
eines allgemeinen Enthusiasmus üir Erhabenheit und Schön- 
heit, wie jener, der in dem Mediceischen Zeitalter gleich 
einem warmen Frühlingshaucli alle die grossen Geister zu- 
mal und auf der Stelle hervorrief, einer Verfassung, wie 
sie uns Perikles im Lob Athens schildert, und die uns die 
milde Herrschaft eines väterlichen Regenten sicherer und 
dauernder als Volksregierung gewährt; wo jede Kraft frei- 
willig sich regt, jedes 'I'alent mitlLust sich zeigt, weil jedes 
nur nach seiner Wviirtligkeit geschätzt wird; wo Unthätig- 
keit Schande ist, Gemeinheit l t Lob bringt; sondern 
nach einem hochgesteckten, fror-deutlichen Ziel ge- 
strebt wird. Nur dann, wenn "s öffentliche Leben durch 
die nämlichen Kräfte in Bewegung gesetzt wird, durch wel- 
che die Kunst sich erhebt, nur dann kann diese von ihm 
Vortheil ziehen; denn sie kann sich, ohne den Adel ihrer 
Natur aufzugeben, nach nichts Äusserm richten."____ 
wVar es nun eine Hauptbedixigung ffw die hohe geistige 
Entwicklung, zu welcher Rafael gedieh, zu einer solchen 
Zeit der mit einer reichen Bildung verbundenen Begeiste- 
rung geboren worden zu sein, so war es für ihn auch von 
grosser Wichtigkeit, frühzeitig durch anregende Berührun- 
gen und durch Verbindungen mit Gelehrten, wie mit Tad- 
deo Taddei in Florenz und denen am Ilof von Urbino ei- 
nen Blick in grössere Verhältnisse, in allgemeinere Ansich- 
ten gethan zu haben. Diese gaben seinem tiefblickenden 
Geist neuen Axifschwnng und grössere Fülle. Durchdiesen 
nähern, ja vertrautesteil Umgang mit den hochgestelltesten 
Männern seiner Zeit lernte er auch ihre Anschauungs-
        

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