Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512242
Rafael. 
und 
Zllicleel Angela 
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flberwrlndell, das Ungeheure, die Frucht der ersten Frei- 
heit, verdrungen ist, Form und Gestalt durch das Vorge- 
fiihl _der Seele verschont sind: klärt sich der Ilimmel auf, 
das gemilderte Irdische kann sich mit dem Himmlischen, 
dieses hinwiederilm mit dem sanft Menschlichen verbinden. 
Rafael nimmt Besitz vom heitern Olymp, und führt uns mit 
sich von der Erde hinweg in die Versammlung der Götter, 
der bleibenden, seligen Wesen. Die Bliithe des gebildet- 
sten Lebens, der Duft der Phantasie, sammt der Würze 
des Geistes hauchen vereint aus seinen Werken. Er ist 
nicht mehr Maler, er ist Philosoph, er ist Dichter zugleich. 
Der Macht seines Geistes stehet die Weisheit zur Seite, und 
wie er die Dinge darstellt, so sind sie in der ewigen Noth- 
wendigkeit geordnet. In ihm hat die Kunst ihr Ziel er- 
reicht, und weil das reine Gleichgewicht von Göttlichem 
und Menschlichem fast nur in einem Punkte sein kann, so 
ist seinen Werken das Siegel der Einzigkeit aufgedrückt." 
I-Iier zum Schluss noch ein biindiger Ausspruch von 
C. F. von Rumohr: „Michel Angelo vertritt die Erkennt- 
niss allgemeiner Naturgesetze, Rafael die Fülle und Leben- 
digkeit der Anschauung des Einzelnen. "  
In allen diesen Urtheilen und Vergleichungen zwischen 
der Kunst RafaeYs und Michel Angelo's ist nur die der Ma- 
lerei in Betracht gezogen. Aber auch in der Kunst der 
Architektur waren beide ausgezeichnet, haben sie neue Wege 
eingeschlagen und Ungewöhnliches geleistet. Es stehe da- 
her hie-r noch ein Urtheil über sie als Architekten. Wie in 
der Malerkunst sehen wir gleichfalls in der Baukunst Ra- 
faelfs reiche Phantasie, mehr als beim Florentiner, durch Be- 
sonnenheit "geziigelt; denn wenn er auch die strengen archi- 
tektonischen Anforderungen zuweilen dcr malerischen WVir- 
kung aufopferte, so liess ihn doch sein hoher Sinn für Sym- 
metrie und für Schönheit der Formen nie gegen Angemes- 
senheit der Verhältnisse eines Theiles zum andern, oder des 
Untergeordnete-n zu den Hauptmassen fehlen, oder in aus- 
schweifende Willkür verfallen. Vielmehr erfreut uns in 
seinen Gebäuden eine überaus wohlthuende Harmonie, so- 
wohl in den Ilauptabtheihlngen unter sich, welche durch
        

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