Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512225
Miclwl Angela. 
und Rafiwl. 
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liehen Verbindungen, in genialen Gedanken und kiinstleri- 
scher Mannigfaltigkeit. Einfachheit ist das Gepräge des 
Michel Angelo, mannigfaltige Eigenthiimlichkeiten mit Cha- 
rakter das des Rafael. "t  
Quatreme-re de Quincy stellt folgende Parallele zwischen 
beiden Meistern: „Ist Michel Angelo der grösste der Zeich- 
ner, so ist dagegen Rafael der grösste der Maler; nun 
umfasst der Maler vielmehr als der Zeichner. Wenn Michel 
Angelo den Vortheil hat mit niemanden wegen seines origi- 
nellen Styls in der Zeichnung verglichen werden zu kön- 
nen, so hat der Urbinate das Verdienst in allen Theilen 
den Vergleich aushalten zu können, besonders den der 
Antike." ' 
Göthe in der Abhandlung: "Antik und modern", lässt 
sich also vernehmen: „Rafael mit dem glücklichsten Talent 
geboren, erwuchs in einer Zeit, wo man redlichc Bemühung, 
Aufmerksamkeit, Fleiss und 'l'reuc den Kunst widmete. 
Vorausgehende Meister führten den Jüngling bis an die 
Schwelle, und er brauchte nur den Fuss aufzuheben, um in 
den Tempel zul treten. Durch Peter Perugino zur sorgfäl- 
tigsten Aiisfiihrung angehalten, entwickelte sich sein Genie 
an Leonard da Vinci und Michel Angelo. Beide gelangten 
während eines langen Lebens, ungeachtet der höchsten Stei- 
gerung ihrer Talente, kaum zu dem eigentlichen Behagen 
des Kunstwirkens. Jener hatte sich, genau besehen, wirk- 
lich miide gedacht  und sich allzusehr am Technischen, 
abgearbeitet, dieser anstatt uns zu dem, was wir ihm schon 
verdanken, noch Überschwengliches im Plastischen zu hin- 
terlassen, quält sich die schönsten Jahre durch in Stein- 
briichen nach Marmorblöckeii und Bänken, so dass zuletzt 
von allen beabsichtigten Heroen des Alten und Neuen 
'l'estameutes der einzige Moses fertig wird, als ein Muster- 
bild dessen, was hätte geschehen können und sollen. Ra- 
fael hingegen wirkt seine ganze Lebenszeit hindurch mit 
immer gleicher und grösserer Leichtigkeit. Gemiiths- und 
Thatkraft stehen bei ihm in so entschiedenem Gleichge- 
wicht, dass man wohl behaupten darf, kein neuerer Künst- 
ler habe so rein und vollkommen gedacht als er und sich
        

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