Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512164
Rafael 's 
Florent. 
Räm. 
Epoche. 
353 
Über die Vbrzüge der verschiedenen Epochen RafaePs 
sind in neuern Zeiten einander widersprechende Ansichten 
aufgekommen, namentlich hat die Meinung bei nicht Weni- 
gen Eingang gefunden, dass RafaeYS Werke aus der F10- 
rentiner oder der mittleren Epoche den Vorrang vor denen 
aus seinen letzten Lebensjahren verdienen. Diese Meinung 
halten wir aber xiicht für begründet. Mag? auch zugegeben 
werden, dass Rafael in seiner Florentiner Manier Madon- 
nen gemalt, welche, wie die des Grossherzogs von Toscana 
und die, La belle Jardiniere genannt, eine Anschauung von 
Jungfräulichkeit und Demuth geben, wie wir sie in keinem 
seiner spätem Madonnenbilder in gleicher Weise wiederfin- 
den, so zeigen doch die Madtnhla del Pesce und die vom 
h. Sixtus (bekanntlich eines der letzten Werke RafaePs), 
dass er auch in seiner letzten Künstlerepo-ehe die Mutter 
Gottes in ihrer liebinnigen Ergebung und königlichen H0- 
heit über allen Vergleich herrlich darzustellen vermochte. 
Stimmt er uns durch jene früheren Darstellungen der Jung- 
frau zu sanften Gefühlen der Andacht und Verehrung, so 
entführen seine Himmelsköniginnen uns der Erde, sein Ge- 
nius reisst uns mit sich in den reinen Äther göttlicher H0- 
heit empbr. 
man eben begonnen im Einzelnen auch das Allgemeine aufzufinden, 
und vom Allgemeinen ausgehend, auch wiederum das Einzelne be- 
hender, sicherer, gründlicher aufzufassen. Von dem an war es zu- 
erst, möglich geworden, inmitten der mannigfaltigsten Beobachtungen 
und Studien die Idee der Aufgabe, die verwaltende Stimmung des 
eigenen Gemüths ungestört festzuhalten, strenge Beachtung des Her- 
kömmlichen, tiefes Eingehn in die Idee der Aufgabe, Eigenthiimlich- 
keit des Gefühls und Sinnes mit einer bis dahin unbekannten Klar- 
heit und Umständlichkeit der Darstellung zu vereinigen. Der schön- 
ste, der wahre Genius der neuern Kunst begann demnach seine Lauf- 
bahn unter den glücklichsten Umständen; durch seinen Meister zu 
strenger Auffassung seiner Aufgaben angeleitet, durch seine übrigen 
Zeitgenossen zu tieferem Eindringen in die Gesetze des sich Gestal- 
lens und Erscheinens angespornt, als jenem jemals gelingen konnte, 
musste er, da die Natur mit seltener Freigebigkeit das Übrige ihn: 
verliehen hatte, dahinkonnnen, der gesammten Malerei neuerer Zei- 
ten als ein allgemeines Muster vorznschweben."  
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