Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512154
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Rafael ' s 
Überlegenheit. 
thum der Erfindung und eine unvergleichliche Mannigfaltig- 
keit ihrer Objectivität bei Allen erzeugten, welche sie so 
vereint zu sehen das Glück hatten. Verehren wir nun auch 
bei Leonardo da Vinciv eine unerreichte Schärfe und Wahr- 
heit der Umrisse 11m1 die Vollendung im Modelliren; er- 
scheint Coreggio unvergleichlich im Zauber seines Helldun- 
kels, in der zarten Harmonie und Heiterkeit seiner Fär- 
bung; Titian alle anderen Meister überbietend durch die 
Frische seiner Carnation und die Pracht seiner Localfarben; 
alle scheinen in der geistigen Conception, sozusagen nur 
einen ihnen eigenthümlichen Grundton anzuschlagen, den 
sie durch alle Modulationen durchführen, daher denn auch 
eine lange Reihe ihrer Gemälde am Ende ermüdet. Rafaefs 
Werke hingegen zeigen uns immer neue Gestaltungen, im- 
mer andere Seiten eines edeln und reichen geistigen Le- 
bens, die uns auf eine neue Weise überraschend anspre- 
chen, die sich gegenseitig wie das Leben in der Schöpfung 
ergänzen; daher, so viele seiner Bilder man auch neben 
und nacheinander betrachte, sie doch niemals Ermüdung 
oder Überdruss empfinden lassen. Vorzüglich hierdurch 
drückte Rafael seinen Werken das Siegel der Einzigkeit auf 
und erwarb sich mit Recht den Namen des Göttlichen. 
Wenn übrigens Rafael in jener Mannigfaltigkeit seiner 
Conceptionen dem Wesen nach sich selbst stets gleich ge- 
blieben, so zeigt sich doch auch eine Verschiedenheit von 
Darstellungsweisen im Verlaufe seiner künstlerischen. Ent- 
wicklung. So ging er vom kindlich Naiven der Schule sei- 
nes Meisters Perugino zu den gediegenen Studien in Flo- 
renz über, schloss sich dann dem erhabenen Styl des Mi- 
chel Angelo an, und gelangte so nach und nach zur höch- 
stÜh Stufe der Meisterschaft    
1) C. F. von Rumohr in seinen Italienischen Forschungen II 
S. 350 sagt vom Entwicklungsgang RafaePs sehr richtig: "Der 
Gang seiner Entwicklung war im Ganzen jenem gleich, den sein 
Lehrer um etwa dreissig Jahre früher eingeschlagen hatte. Indessen 
hatten die Umstände sich verändert. Als Rafael nach Florenz kam, 
wurde bereits durch Leonardo, bald auch durch Michel Angeln ei- 
nem bestimmteren anatomischen Wissen die Bahn gebrochen Jjatte
        

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