Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512143
Rafaefs 
Überlegenheit. 
351 
mer reich und harmonisch ist. In seinen frühem Werken 
war er mit dem Helldunkel noch nicht bekannt; aber durch 
Leonardo da Vincfs und Fra Bartolomeds Werke erhielt er 
schon in Florenz Aufschlüsse darüber; wirksamer in (lieSßI 
Beziehung scheint noch in Rom um's Jahr 1512 des Gior- 
gione Behandlungsweise auf ihn gewesen zu sein. In sei- 
nem letzten Werke, der Transfiguration sehen wir ihn selbst 
einen Weg betreten, auf welchem er dem Helldunkel des 
Coreggio, dem grössten Meister dieser Art und Kunst, sich 
nähert. Was nun aber das Charakteristische des Colorits, 
die Macht und Wahrheit der Färbung in den Bildnissen an- 
belangt, so kann sich Rafael in seinen gelungensten Her- 
vorbringuxigen dem Ausgezeichnetsteil, was je geleistet wor- 
den ist, an die Seite stellen. Allerdings sind manche Bilder 
aus Rafaefs Werkstätte hervorgegangen, welche vom Mei- 
ster nur die letzte Hand erhielten und daher auch ins Beson- 
dere im Colorit viel zu wünschen übrig lassen. Um ihn daher. 
richtig zu beurtheilen, muss man seine von ihm selbst in Rom 
ausgeführten Gemälde aussuchen, und sicher wird man dann 
finden, dass z. B. das charakteristisch historische Colorit in 
der h. Cäcilia zu Bologna und die Macht der Localtöne 
und deren feine Abstufung im Bildniss Leo X im Palast 
Pitti nie übertroffen, vielleicht an tiefer Poesie der Fär- 
bung nie erreicht worden sind.  
S0 glänzt Rafaefs hoher Genius in allen Theilen der 
Malerkunst wie ein leuchtendes Gestirn, das von keinem 
verdunkelt wird. Dies offenbarte sich auf eine überraschende 
Weise, als Napoleon die herrlichsten Ölgemälde der italie- 
nischen Maler-schulen im Museum des Louvre vereint hatte, 
wo dann bei leichter Vergleichung die Vorzüge eines jeden 
Meisters sich auf schlagende Weise geltend machten.- Hier 
herrschte nun Rafael in seiner ganzen Überlegenheit: Wir 
wollen hierbei nicht von neuem an alle dessen schon öfters 
geriihmte Vorzüge, sondern nur der einzigen Wirkung ge- 
denken, welche Rafaelys Werke durch schöpferischen Reich- 
Farben zusammengestellt bilden eine Totalität und wirken an sich 
harmonisch, noch mehr wenn zarte Übergänge und das Helldunkel 
dabei angewendet werden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.