Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512100
RafaeFs 
Universalität. 
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Wir haben bis jetzt der äussern auf Rafael einwirken- 
den Verhältnisse gedacht, wobei jedoch keineswegs der 
Vorstellung Raum zu geben ist, als sei er ein blos rellec- 
tirender Künstler, oder ein Eklektiker gewesen. Vielmehr 
haben wir nie zu vergessen, dass Rafael mit seinem schöpfe- 
rischen Talent in einer Zeit und in einem Lande geboren 
wurde, wo die Lebensverhältnisse sich noch ungleich natür- 
licher nahe standen als jetzt, wo er sozusagen noch mit 
aller Frische aus der ersten Quelle des Lebens schöpfen 
konnte, noch nicht nöthig hatte sich aus einem ganz con- 
ventionellen in einen natürlichen Zustand hineinzudenken. 
Sodann dass grade seine Zeit sich wieder in Bezug auf die 
bildende Kunst mehr zur Erkenntniss tiefer Wahrheiten er- 
hob, wo die Talente zwar von äussern Einflüssen angeregt, 
aber in eigenthümlicher, unbewusster Kraft gleich der Natur 
organisch wirkten. Das Erwerben war daher bei Rafael 
zugleich ein Verschmelzen zum harmonischen Ganzen. 
 Der reiche Genius RafaePs erfasste mit gleicher Lust, 
mit gleichem Ernste Gegenstände der verschiedensten Art; 
denn er verehrte nicht nur die höchste Schönheit in Gott, 
sondern freute sich auch ihres Abglanzes in den WVesen der irdi- 
schen Schöpfung. Indem er auf diese Weise vom Geiste aus- 
gehend in jedem Object sowohl das Allgemeine, als das ei- 
genthiunlich Schöne erkannte, sehen wir ihn nie geahndete Ge- 
bilde, worin sich der ganze Adel seiner schönen Seele spie- 
gelt, in grossen und naturgetreuen Ziigen hervorrufen. S0- 
wohl bei seinen kirchlichen, als seinen übrigen Darstellun- 
gen hatten wir Gelegenheit des Meisters tiefe Auffassung 
und lebendige Behandlung zu bewundern, zu verehren, wie 
er in seinen Schöpfungen , bei aller Lebenslust, stets 
keusch geblieben, und wie er das Hässliche selbst, wo es 
als Gegensatz, wo es im dramatischen Zusammenhange vor- 
kommt, durch den im Ganzen durchwehenden Geist zu 
adeln, mit einer höhern Welt in Verbindung zu bringen, 
ihr unterzuordnen wusste. Überall schwebt des göttlichen 
Rafaefs Genius über dem Werke und erhebt uns mehr als 
irgend ein anderer Künstler zu einer vom Geist durchleuch-
        

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