Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512099
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Kunst. 
und moderne 
antike 
Die 
ken Kunstwerke, obgleich wir nicht zweifeln dürfen, dass 
er sie mit freudiger Anerkennung betrachtet und in ge- 
wisser Hinsicht studirt habe, wie es die wohlbeachteten 
Costüme in dem Heerzug des Attila und in der Schlacht 
Constantiifs, wie es die Art der Ornamente in den Loggien 
offenbar bezeugen. Allein bis auf solche unwichtige Äusser- 
lichkeiten und mit Ausnahme der höchsten Ausbildung in 
der Darstellung körperlicher Schönheit, in welcher alle zur 
Vollendung gediehene Kunstrichtungen sich begegnen wer- 
den, konnte Rafael, indem er dem einmal eingeschlagenen 
Weg der Kunst treu blieb und sich in diesem Geiste vol- 
lendete, dem Princip der antiken Kunst auf keine Wleise 
folgen. Die ganze antike Welt dachte und bildete plastisch, 
daher ihr Vorrang in der Bildhauerkunst und deren stand- 
hafte Haltung, selbst als die antike Kunst schon ganz in 
Verfall gerathen war. Die moderne, christliche Welt da- 
gegen beruht in ihrer Denkweise auf Offenbarung, deren 
Medium die Seele ist; daher die höhere Ausbildung der 
Malerei, die durch Licht und Farbe, gewissermassen durch 
geistige Mittel, sich als geeigneter erweist das Seelenleben 
darzustellen. Es beruhen daher in gewisser Beziehung die 
antiken und modernen Künste auf zwei sich entgegenge- 
setzten Principien, die zwar in allen vorzüglichen Werken 
der Plastik und Malerei, aber in ungleichen Massen ver- 
eint erscheinen, so dass in den Bildhauerwerken die Form, 
in den Gemälden das Seelenleben das Übergewicht haben 
wird. Wenn daher Rafael mythologische Gegenstände ble- 
handelte, so sah er sich, seiner Richtung folgend, genü- 
thigt, ein der antiken Kunst fremdes Element in seine my- 
thologischen Darstellungen einfliessen und mancherlei Bezüge 
darin vorwalten zu lassen, wodurch dieselben recht eigent- 
lich in das Reich der modernen Kunst herübergezogen 
wurden. -Was aber daraus entsteht, wenn sich das Überge- 
wicht eines der Principiezl auf die entgegengesetzte Seite 
neigt, das zeigen uns zur Genüge die malerisch behandel- 
ten Sculptilren von mehr als zwei Jahrhunderten, und die 
plastisch gehaltene Malerei der französischen Malerschule 
unter David.
        

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