Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512087
Mickel Angela's 
Einfluss. 
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erreichter Grossartigkeit konnten ihre Wirkung auf des Ur- 
binaten empfänglieheil Sinn nicht verfehlen. Von geringerer 
Bedeutung ist es indessen, wenn er in einzelnen Fällen die 
äusseren Formen des Michel Angelo vorübergehend annahm 
und selbst den Typus des Gott Vaters von ihm beibehielt, 
als dass er in dessen Werken eine Kunst erkannte, welche 
auf dem tiefsten Grund der Wesen und der Formen beruht, 
wodurch eine über alle äusseren Erscheinungen unserer jetzi- 
gen Natur stehende Vollkommenheit erreicht wird. Dieser 
Anffassnngsweise folgte Rafael von nun an, obgleich er dazu 
auf einem ganz andern Wege als Michel Angelo gelangte. 
Dieser war bei den griindlichsten anatomischen Studien von 
einer Vorstellung vom vollkommenen Menschen, der noch 
im Besitz seiner ganzen göttlichen Natur und Herrlichkeit 
ist, ausgegangen und hatte auf diesem Wege, namentlich 
an der Decke der Sixtinischen Capelle, nach seinem hohen 
Sinn eine ideale, aber nur aus seiner individuellen Idee 
hervorgegangene Menschheit dargestellt. Er behandelte 
das Verscbiedenartigsle gleichmässig; das Zarte und Sanfte 
eben so wie das Gewaltige und Erhabene. Rafael hinge- 
gen, begabt mit einem reicheren, innern Seelenleben, _ge- 
langte durch seine Studien von einer scharfen Beobach- 
tuug des Individuellen und Charakteristischen in der äus- 
sern Erscheinung zu einem grossen Reichthnm der For- 
men und der Beziehungen, oder zur Darstellung des Cha- 
rakteristischen und Dramatischen. Als er nun des Michel 
Angelo Anschauungsweise, welche dieser mit Recht seine 
Kunst nennen durfte, kennen lernte, erkannte er sogleich 
eine ihm bis dahin verborgen gebliebene tiefe, im Wesen 
und in der Natur des Menschen gegründete Basis, von der 
er nun selbst auszugehen strebte. Er verliess daher seit- 
dem das Portraitmässige, wie wir es noch im Wandbild der 
Theologie erblicken, und suchte mehr die Grundtypen der 
Charaktere und Formen, ohne jedoch seine objective Be- 
handlungswveise zu verlassen, wodurch er gleich dem ge- 
heimen Wirken der Natur, die höchste Mannigfaltigkeit zu 
erzeugen vermochte.  
Weniger zeigte sich bei Rafael der Einfluss. der anti-
        

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