Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512056
342 
Entwicklung 
der 
Toscan. 
Malerlnmst. 
dert Jahre früher Masaecio mit Macht aus dieser Abspan- 
nung und rief den Geist des ilorentiner Altvaters wieder 
hervor. Er verband aber mit dessen grossartiger Darstel- 
lungsweise und mit der Benutzung vieler dem Volksleben 
entlehnter Züge, ein tieferes Studium des Einzelnen, eine 
"lebendigere Auffassung der Charaktere und des Portraits, 
so wie in der allgemeinen Haltung eine in entschiedenen 
Massen gehaltene Beleuchtung. Sein kurzes Leben liess 
ihn aber ohne Schüler, ohne würdige Nachfolger. Zwar 
ergriff nun die liorentiner Schule mit Eifer das Studium 
der Natur in ihrer äussern Erscheinung und gelangte durch 
das Studium der Perspective und der Anatomie zu gründ- 
lichcren Kenntnissen. Allein ausschliesslich mit der Ergriin- 
dung des Einzelnen beschäftigt, erhieltjhre Kunst den Cl1arak- 
ter des beschränkt Individuellen. Erst einem Leonardo da Vinei 
war es vorbehalten, mit der tiefsten Kenntniss aller zur 
Kunst gehörigen Theile, der schärfsten Auffassung der For- 
men des organischen Lebens und eiwrmit Zartheit behan- 
delten malerischen Darstellungsweise, sich auch wieder zur 
Anschauung des Allgemeinen zu erheben, in die Tiefe des 
geistigen Lebens einzudringen, und so zwei Richtungen mit- 
einander zu verbinden, wodurch die höchste Höhe der bil- 
denden Kunst erreicht wurde. 
Zeit- und Mitgenosse des Leonardo beim Meister Ve- 
rocchio, war Pietro Perugino, der seiner weitern Ausbildung 
in Florenz hauptsächlich den grossen Ruf zu verdanken 
hatte, den er in seiner friihern Epoche erlangte. In- 
dessen brachte er, wie noch aus dem Friihern erinnerlich 
sein wird, schon aus Umbrien eine Anschauungsweise mit, 
welche, mehr von der Stimmung des Gemiiths ausgehend, 
ihm sogleich einen grossen Vorsprung gab vor den floren- 
tiner Malern, welche auf Masaccio gefolgt waren. Auf 
diese Weise befand er sich in einer ähnlichen Richtung 
wie Leonardo, aber bei geringerem Mass des 'l'alents und 
ohne die Tiefe der Kenntnisse im Einzelnen; dagegen weniger 
theoretischen Untersuchungen sich hingebend,gw'ar er werk- 
thätiger, und lehrte mehr durch Beispiel, als durch Theo- 
rie. Unter solchen Verhältnissen trat Rafael in Mei-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.