Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512043
Entwicklung 
der 
Toscan. 
Jllalerlnuzst. 
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IPIorenz und durch Dueeio in Siena einen neuen Aufschwung 
erhalten, indem sie den erstarrten Typen der Byzantiner 
einiges Leben zu verleihen wussten. Giotto, Simone di 
Martino und Andere gaben darauf mit geschärftem Sinn für 
Auffassung des sie umgebenden Lebens der Malerkunst 
eine neue Richtung. Zwar hielten sie sich meist noch 
streng an die herkömmlichen Darstellungsweisen biblischer 
Gegenstände und an die Anordnungen der Altarbilder mit 
Heiligen; allein indem sie häufig veranlasst wurden, ihnen 
näher liegende Begebenheiten aus der Geschichte der Mönchs- 
orden darzustellen, waren sie auf viele neue Motive, auf 
neue künstlerische Auffassungen hingewiesen. Es entstand 
daraus jene Verknüpfung des erhabenen Styls, welcher, 
nach der damaligen allgemeinen Kilnstrichtung, mehr in den 
Geist und das Wesen der Dinge eingehend, die Gegen- 
stände in wenigen, grossartigen Zügen charakterisirte, mit 
der nun ileuauticommendexi Weise: viele Motive aus dem 
Volksleben zu entlehnen. I-Iiedurcli wurden die durch die 
Malerei dargestellten Gegenstände dem Sinn des Volkes 
menschlich nahe gebracht und erhielten so in Beziehung 
auf Religion und Sitten einen wahrhaft volksthümlichexi 
Charakter. Aber ihre Zeit war noch voll Lebenskraft, gross- 
artig in den Bestrebungen, einfach in den Sitten und die 
hohe, allgemeine Verehrung der Mutter des Heilandes als 
Urbildes geistiger Anmuth hatte schon früher eine nie ge- 
kannte Huldigung für Frauentugend und Schönheit erzeugt, 
wodurch, nächst den allgemeinen christlichen Ansichten, 
das. rauhe Leben gezügelt und gemildert wurde. Diesen 
Charakter tragen daher auch die Erzeugnisse jener Künst- 
1er; besonders ist bei Simone di Martino aus Siena der 
Sinn für hohe Schönheit in seinen weiblichen Ileiligexi wahr- 
haft bewulldruilgswilrdig.. Vorzüglich durch Giotto und seine 
Schule verbreitete sich diese Richtung in ganz Italien und 
behielt ihren Einfluss beinahe ein ganzes Jahrhundert hin- 
durch. Zuletzt jedoch sank diese Art und Weise in For- 
men ohne Leben und Geist, aus welchen die Schule von 
Siena sich erst zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts 
herausriss. In Florenz dagegen erhob sich schon um hun-.
        

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