Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1512039
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Rafaefs 
als 
Bildung 
Künstler. 
ren die andern Zeichner der Fabrik zu Pesaro. Bei Urbiuo, 
in Fermigiano und Castel Durante, jetzt Urbania, begün- 
stigte schon Francesco Maria I die dortigen Majolicafabri- 
ken, und Orazio Fontana aus Urbino gilt als ein besonders 
guter Maler in (lßrSClbcIl. Ich habe mit grosser Aufmerk- 
samkeit in Urbino und der Umgegend, so wie auch in Mu- 
seen dieSSßifS der Alpen grosse Sammlungen dieser Majoli- 
cagefässe und Teller betrachtet, allein nicht auf einem ein- 
zigen auch nur eine Spur einer Rafaelischen Composition 
entdeckt, welche nicht durch alte Kilpferstiche bekannt wäre. 
L 
Obgleich sich bis hierher schon öfters Gelegenheit 
dargeboten, Rafaefs eigenthümliche Eigenschaften und den 
Gang seiner Entwicklung zu beleuchten, so erfordern es 
doch seine hohen Vorzüge und die vor Allen ausgezeich- 
nete Stelle, welche er in der Kunstgeschichte einnimmt, 
noch einmal im Zusammenhange der Ursachen zu geden- 
ken, wodurch Rafael vor allen andern Künstlern seit drei 
Jahrhunderten die Bewundrung der ganzen gesitteten Welt 
erregt hat. 
Zwei Bedingungen sind es, wodurch der menschliche 
Geist sich zu hoher Vollkommenheit auszubilden vermag: 
Zuvörderst liegt die Möglichkeit hiezu in dessen eigenthüm- 
lichen Anlagen und Vermögen; dann nicht minder auch in 
seinen äussern Umgebungen, in der Periode und in der 
geistigen Richtung des Volkes, dem er angehört. Denn der 
tiefste Geist mit den glänzendsten Gaben ausgestattet, wird, 
so selbständig er auch erscheinen mag, dennoch das Ge- 
präge des Geistes seiner Zeit tragen, und von ihm geho-V 
ben oder beschränkt, immer mehr oder weniger nur der 
lebendige Ausdruck desselbeirsein. Werfen wir daher vor 
allen Dingen einen Blick auf die geistige Entwicklung und 
die Umgebungen, in welchen Rafael, wie jedes wahre Ta_ 
lent, sich in der Stille bildete und wodurch nothwendig des- 
sen Richtung historisch bestimmt wurde. 
Bekanntlich hatte in Italien gegen Ende des dreizehn- 
ten Jahrhunderts die Kunst der Malerei durch Cimabue in
        

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