Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511896
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Bericht 
Hufa alk- 
über 
Tod. 
die Aufrisse mit allen Zierrathexi, welche er, wenn keine 
Bruchstücke mehr vorhanden waren, nach den Angaben des 
Vitruv, nach den Regeln der Baukunst und den Beschrei- 
bungen alter Schriftsteller auf das sorgfälligste zeichnete. 
Nun hat der Tod dies schöne und ruhmvolle Unternehmen 
unterbrochen, indem er den noch jungen Meister von 34 
(sollte heissen 37) Jahren, und zwar an seinem Geburts- 
tage dahinrafte. Selbst der Papst empfand ungemessenen 
Schmerz darüber und hat in den 15 Tagen seiner Krank- 
heit wohl an sechsmal gesandt, um sich ilach ihm zu er- 
kundigen und ihn aufzuheitern. Ihr könnt nun denken, 
was die andern gethan haben. Und weil grade dieser 'l'age 
dem päpstlichen Palast der Einsturz drohte, so dass sich 
Seine Heiligkeit genöthigt sahen, die Zimmer des Mon- 
signore Cibo zu bewohnen, so gibt es manche, welche sa- 
gen, dass nicht das Gewicht der aufgesetzten obern Log- 
gien die Ursache sei, sondern ein Wunder, um den Tod 
dessen, der diesen Palast verschönerte, zu verkünden. Und 
wirklich ist ein unvergleichlicher Meister gestorben, dessen 
Tod jeder edle Geist nicht [mit einfachen, flüchtigen Wor- 
ten, sondern mit tiefsinnigeil und unvergänglichen Gedich- 
ten betrauern und beklagen sollte; auch werden ihrer, wenn 
ich nicht irre, in grosser Menge von den Dichtern vorbe- 
reitet. Man sagt, dass er 16,000 Ducaten hinterlassen ha- 
be, und zwar 5000 an baarem Gelde, welche grösstentheils 
unter seine Freunde und Diener vertheilt werden sollen. 
Sein Haus, das ehemals dem Bramante gehörte, und wel- 
ches er für 3000 Ducaten kaufte, hat er dem Cardinal von 
S. Maria in Portico vermacht I). Er ist in der Rotonda be- 
1) Nach Vasari baute Bramente das Haus für Rafael, und wie 
ich aus innern Gründen zu beweisen suchte, nach des letztern Plan. 
Die Angabe, dass der Cardinal da Bibiena RafaePs Haus geerbt, ist 
noch zweifelhaft. Sicher bewohnte es jener nicht, da nach Grassi 
er nach seinem bald erfolgten Tod kein Haus besessen, sondern im 
Vatican starb: „152O. Hic die Veneris Novembris IX cum in Pala- 
iio Papae 111011511115 Sit, nec habeat propriam domum, ad quam pos- 
sit deferri, mendicavimus domum in Burgo veteri Sitino, llbl olim 
Cardinalis de Ara Coeli habitavit" etc. 
        

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