Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511769
Bericht 
Leo 
313 
die Architektur edel und gut verstanden. Nachdem aber 
Rom von den Barbaren gänzlich zerstört und ver- 
brannt worden war, scheint bei dem Brand und der tran- 
rigen Verwüstung der Gebäude auch die Baukunst zu 
Grunde gegangen zu sein. Denn da sich das Glück der 
Römer so sehr verändert hatte, und an die Stelle unend- 
licher Siege und  und elende Sklaverei 
getreten waren, so veränderte sich sogleich mit dem Glück, 
die Art zu bauen und zu wohnen, gleichsam als ob es den- 
jenigen, die nun unterjocht und Knechte der Barbaren ge- 
worden waren, nicht zieme auf dieselbe Weise und .mit 
derselben Pracht zu wohnen als zur Zeit, in welcher sie 
die Barbaren unterjocht hatten. Die Bauart jener Zeit er- 
scheint mit der vormaligen in einem eben so auffallenden 
Gegensatz, wie die Freiheit zur Sklaverei, und gestaltete 
sich, ihrer Armseligkeit entsprechend, ohne Ebenmass und 
ohne die mindeste Anmuth. Es scheint, als 0b die Men- 
schen dieser Zeit mit der Freiheit alle Fähigkeit und Kunst 
verloren hätten. Denn sie wurden so ungeschickt, dass sie 
keine Backsteine, geschweige denn irgend eine Art von 
Zierrathen zu verfertigen verstanden. Sie schlugen von den 
antiken Mauern die Bekleidungen herunter, um Backsteine 
zu erhalten, zerstiessen den Marmor und brauchten ihn zum 
Mörtel, wie man gegenwärtig an dem, Torre della Milizia 
genannten Thurme sieht. So fuhren sie eine geraume Zeit 
mit jener Unwissenheit fort, die man in allen Werken je- 
ner Zeit bemerkt, und es scheint, dass diese fürchterliche 
und schreckliche Zerstörung und Verwüstung nicht nur nach 
Italien kam, sondern sich auch nach Griechenland verbrei- 
tete, wo sich einst die Erfinder und vollkommenen Meister 
aller Künste befanden. Daher entstand auch dort ein äusserst 
schlechter und werthloser Geschmack in der Malerei, Sculp- 
tur und Architektur. Darauf schien es, als ob die Deut- 
schen anfingen die letztgenannte Kunst wieder ein wenig 
zu erwecken. Aber sie waren in den Zierrathen geschmacklos, 
lind weit entfernt von dem schönen Styl der Römer. Diese 
Zeigen nebst der Anlage des ganzen Gebäudes schöne Ge- 
Simse, Friese, Architrave und Säulen mit zierlichen Capitä-
        

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