Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511732
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Leo 
Bericht 
gestattet, dass, nur um Pozzolanerde zu erhalten, ihre 
Fundamente aufgegraben wurden, wodurch kurze Zeit darauf 
die Gebäude einstürzten! Wie viel Kalk ist nicht aus Sta- 
tuen und andern antiken Bildwerken gebrannt worden! Denn 
ich darf wohl zu sagen mich erkühnen, dass dieses ganze 
neue Rom, das wir jetzt sehen, in seiner ganzen Grösse 
und Schönheit, in seinem Schmuck mit Palästen, Kirchen 
und andern Gebäuden, wie es vor uns liegt, durchaus mit 
Kalk von antikem Marmor gebaut worden sei. Nicht ohne 
vielen Kummer kann ich dessen gedenken, dass, seit ich in 
Rom bin,  es sind noch nicht elf Jahre  so viele 
schöne Denkmäler, wie die Pyramide, die in der Via Ales- 
sandrina stand, der unglückselige Bogen und so viele Säu- 
len und Tempel zerstört worden sind, insbesondere aber 
vom Herrn Bartolomeo della Rovere. Es darf also, hei- 
liger Vater, nicht zu den letzten Gedanken Ew. Heiligkeit 
gehören, Sorge zu tragen, dass die wenigen Reste dieser 
alten Mutter des Ruhms und der Grösse Italiens, zum Zeug- 
niss des Werthes und des Vermögens jener göttlichen Gei- 
ster, deren Erinnerung zuweilen jetzt noch unter uns le- 
bende Geister zu höherer Fähigkeit entflammt, nicht von 
den Schlechten und Unwissenden vernichtet oder beschä- 
digt werden. Denn nur allzuviele Beleidigungen sind bis 
jetzt an jenen Seelen verübt worden, die mit ihrem Blute 
der Welt so hohen Ruhm gebaren. Ew. Heiligkeit aber 
suche vielmehr, die Vergleichung mit den Alten lebendig 
erhaltend, sie zu erreichen, sie zu übertreffen durch Auf- 
führung grosser Gebäude, durch Pflege und Begünstigung 
der Talente, durch Erweckung des Geistes, durch Beloh- 
nung würdiger Bemühungen und durch Verbreitung des hei- 
ligen Friedens unter den christlichen Fürsten. Denn wie 
die Trübsale des Krieges Zerstörung und Untergang aller 
Künste nach sich ziehen, so erzeugen Friede und Eintracht 
die Glückseligkeit der Völker und die löbliche Musse, durch 
die wir uns jener  beileissigen und den Gipfel der Vor- 
treiflichkeit zu erreichen vermögen, auf den man mit dem 
göttlichen Rath Ew. Heiligkeit allgemein in unserm Zeital-
        

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