Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511715
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Bericht 
Leo 
geht, dass das Schreiben von Rafael an den Papst ge- 
richtet ist, so verräth doch die Eleganz der Schreibart, dass 
eine gewandtere Feder als die Rafaefs die Abfassung des 
Briefes übernommen habe. Wir wollen daher gerne mit 
Andern annehmen, dass hiebei des Grafen schriftstellerisches 
Talent mitgewirkt hat, ja selbst die Ansicht mit ihnen thei- 
len, dass der gelehrte xmd liebenswürdige Staatsmann das 
Unternehmen gemeinschaftlich mit dem Künstler, seinem ge- 
liebten Freunde betrieb. Denn in einer Stelle des Briefes 
wird in der mehrfachen Zahl gesprochen, wie folgt: "Und 
diesen Weg (der Messung) haben wir befolgt, wie man im 
weitern Verlauf dieser unserer Beschreibung ersehen 
wird." Sonst spricht der Verfasser immer nur in der er- 
sten Person des Singularis. Wahrscheinlich hatte der Graf 
(iastiglione die Absicht, gemeinschaftlich mit Rafael eine 
Bechreibung des antiken Rom zu verfassen , wozu das 
Schreiben an den Papst als Einleitung dienen sollte. Hier 
folge nun der Inhalt dieses Berichtes von Rafael an Leo X 
über die Wiederherstellung der alten Stadt. 
 An Papst Leo X. 
„Es gibt Viele, heiliger Vater, welche mit ihrem be- 
schränkten Verstand die grossen Dinge messend, auch die 
Heldenthaten der alten Römer und ihre Geschicklichkeit 
im Aufflihren so grosser und prachtvoller Gebäude, wie 
von ihnen geschrieben steht, vielmehr für fabelhafte Über- 
treibung, denn für Wahrheit halten. Anders pflegt es mir 
zu ergehen: Denn betrachte ich in den Überresten, die man 
noch in den Ruinen Roms sieht, die Göttlichkeit jener 
Geister der Alten, so scheint es mir nicht unvernünftig zu 
glauben, dass ihnen viele Dinge leicht waren, die wir nun 
für unmöglich halten. Da. ich nun diese Alterthümer sehr 
iieissig studirt und nicht wenig Sorgfalt darauf "gewendet 
habe, sie genau zu untersuchen, zu messen und beim Le- 
sen der guten Autoren die Werke mit den Schriften zu ver- 
gleichen, so darf ich wohl glauben von der Architektur der 
Alten einige Kenntniss erlangt zu haben. Dies gewährt 
mir auf der einen Seite grosse Freude durch die Erkennt- 
niss so herrlicher Dinge, aber auf der andern empfinde ich
        

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