Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511656
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der 
Johannes 
Täufer. 
des Natürlichen zum Idealen  und des Menschlichen zum 
Göttlichen ! 
Der hohe Ruf, welchen jenes vollendete Kunstwerk 
erlangte, erwarb ihm bald eine gegen Unbilden gesicherte 
Stelle auf dem Hauptaltar der Kirche, wo es schon Vasari 
bewundert, und vor dem sich alle Maler überwunden fiih- 
len mussten. Wenn es indessen einem Coreggio erlaubt 
war dabei auszurufen: „Auch ich bin dMalerl" so be- 
weisen mehrere von dessen herrlichsten Werken, die sich 
nun mit Rafaefs Bild in einem Raum auf deutschem Bo- 
den vereint finden, dass er zwar dabei seine Überlegenheit 
in einem freudigen Tone seiner Farben und im Zauberi- 
schen Schmelz seines Ilelldunkels fühlen konnte, dass er 
aber, was den erhabenen und geistigen Ausdruck, was 
Würde und Anordnung, was Zeichnung und so manches an- 
dere betrilft, dem Urbinaten die Palme lassen musste. Auch 
ist vielleicht niemals einem Gemälde eine solche Auszeich- 
nung widerfahren als der Madonna des h. Sixtus. Nach- 
dem nämlich die Stadt-Piacenza sich ihrer grössten Zierde 
entäussert hatte, und das Gemälde nach dem ausdrückli- 
chen Befehl des Churfürsten von Sachsen im Audienzsaal 
des Palastes zu Dresden der Kiste entnommen und aufge- 
stellt werden sollte, kam man in Verlegenheit es in ein 
günstiges Licht zu stellen, indem grade die dazu geeignete 
Wand durch den Thronsessel besetzt war. Sobald dieses 
der königliche Fürst bemerkte, fasste er voll Eifer eigen- 
händig den Thron, schob ihn auf die Seite und liess an 
dessen Stättejlie Madonna Rafaefs aufstellen. S0 beugte 
sich die königliche Majestät vor des Kunstwerks Herrlich- 
kein"  
Für "den. "Cardinal" Gelonna malte Rafael einen Johan- 
nes den Täufer. Er ist im Jiinglingsalter dargestellt, nur  
leicht mit einem Parderfell am Arm und den Lenden um- 
vrunden, wie er an einem Quell in der Wüste sitzt und 
nach dem strahlenden Licht an einem Rohrkreuze hindeu- 
tet. Zu diesem Bild hatte Rafael ein meisterliches Stu- 
dium von grosser Schönheit nach dem Leben gezeichnet, 
das aber in der Ausführung nicht durchaus mit demselben
        

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