Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511603
Die kleine 
heil. 
Familie. 
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sehen als Schön den ersten Platz einnehmen darf. Doch 
äusserst selten sind solche Beispiele unter den Menschen, 
denn die Natur stellt nicht ihr Kostbarstes zur Schau. Aber 
in ilnserm Zeitalter hat die schöpferische und freigebige 
Mutter gleichsam im Wetteifer mit der.Gottheit, um etwas 
Vollkommenes, Bewundrungswfirdiges und den unsterblichen 
Göttern Allerähnlichstes der Welt zu zeigen, die Johanna 
Aragonia Colonna hervorgebracht; und von der Wiege an 
bis hieher (wo sie in voller Blüthe steht) durch alle Ent- 
wicklungsstufen der Schönheit und Liebenswürdigkeit ge- 
führt, so dass sie nun die erste Stelle unter den Schön- 
sten einnimmt. Ihren Geist hat sie überdem mit ausser- 
ordentlichen Gaben und Tugenden geschmückt und ihrem 
Körper von so seltner, so schmuckvoller, ja vielmehr gött- 
licher Bildung die sittliche Würde zugesellt, so dass man 
an ihr nichts, als nur die Unsterblichkeit vermissen kann. 
So heiter ist Stirn und Mund, solch Feuer und goldschim- 
mernder Strahlenschein in den Augen, endlich am ganzen 
Leibe solche Wohlgestalt, Anmuth und Holdseligkeit, dass 
selbst die Gefiihllosen angezogen, zur Liebe bewegt und 
zur Betrachtung der absoluten Schönheit gelockt werden. 
Im Geleit von grosser Heiligkeit und hoher Sitte übertrifft 
sie ihr Geschlecht an Beredtsamkeit, so dass sie, um Allen 
Tugend und Würde zu erwerben, als Spiegel und glanz- 
vollstes Gestirn aufgegangen zu sein scheint." 
Nach Felibien sandte Rafael damals auch aus Erkennt- 
lichkeit für die ihm am französischen Hof geleisteten Dien- 
ste jene kleine heilige Familie mit der Wiege an Adrian 
Gouftier, Cardinal de Boissi, später (1519) Legat Leo X 
bei Franz I. Dieses köstliche von Rafaefs Hand ausge- 
führte Bildchen befindet sich nun nebst dem dazu gehöri- 
gen grau in Grau gemalten Deckel, mit den andern eben- 
genannten Gemälden im Pariser Museum. Als diese Werke 
RafaePs zu Paris angekommen und vor die Augen des Kö- 
nigs gestellt worden, fand dieser eben sosehr von ihrer 
hohen Vortrefflichlceit, als von des Künstlers Grossmuth sich 
überrascht, nach einer Weile jedoch sprach er die aner- 
kennenden Worte: „Die grossen Männer in der Kunst,
        

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