Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511578
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Madonna 
Sedia. 
della 
Michael. 
Ganz von Rafaefs Hand ist dagegen das herrliche Bild, 
allgemein unter dem Namen der "Madonna della Sedia" 
bekannt, welches, obgleich von Vasari nicht beschrieben, 
sich schon im Inventarium der Kunstwerke in der Tribune 
der Florentiner Gallerie vom Jahr 1589 verzeichnet findet. 
Jetzt schmückt es die unvergleichliche Gallerie des Palastes 
_Pitti. Was dieses Gemälde vor allen andern des grossen 
Meisters auszeichnet, ist nicht allein die lnnigkeit der in 
sich bewundrungswiirdig geschlossenen Composition, soni- 
dern hauptsächlich der magische Reiz, welcher über das 
blendend schöne Antlitz der Madonna ausgegossen ist. 
Zwar kann dieses nicht erhaben, nicht göttlich genannt 
werden, aber die Regelmässigkeit seiner harznonischen, fei- 
nen Bildung hat zugleich etwas so belebtes, spricht eine 
solche Liebenswürdigkeit der Seele aus, dass dessen An- 
blick bezaubernd wirkt. Überaus anziehend ist auch der 
kindliche Ernst des göttlichen Knaben, der den Liebreiz 
der Mutter noch erhöht. Im kleinen, .v0n begeisterter Ver- 
ehrung hingerissenen Johannes aber findet der entziickte 
Beschauer den Ausdruck seiner eigenen Empfindung. 
Auch von dem kunstliebenden König von Frankreich, 
Franz I, erhielt Rafael nach und nach mehrere Aufträge. 
Mit dem Jahr 1517 bezeichnet ist das Bild des Erzengels 
Michael, der den Satan in den Abgrund bannt. Die alles 
überwindende Kraft des von Gott Gesendeten andeutend, 
stellte Rafael den Erzengel nicht in einem Kampfe dar, 
dessen Ausgang zweifelhaft scheinen könnte, sondern, wie 
in Blitzesschnelle herabgefahreil, als Sieger den sich unter 
der, Übermacht krümmenden Satan kaum mit einem Fusse 
berühren und in göttlichem Zorne die-Lanze erheben. Nie 
ist wohl von einem andern Meister eine jugendliche, stark- 
bewegte Ileldengestalt in gleicher Würde und Schönheit 
gebildet worden, als dieser Erzengel, in dem wir sogleich 
die göttliche Sendung, die Kraft der Überwindung des Gn- 
ten über das Böse erkennen müssen. Dagegen hat Rafael 
nicht minder charakteristisch das Verabschenungswvfirdige des 
Satans in Form und Ausdruck dargestellt; allein nach des 
Meisters rißhtigßln Gefühl, sehen wir ihn so sehr in der
        

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