Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511558
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Die 
Heimsuchung. 
Leiden erschöpften Herrn zerren und stossen, haben andere 
den Simon von Cyrene herbeigeschleppt, dass er das Kreuz 
des Heilandes zum Richtplatz trage, der es denn auch un- 
willig von jenes Schultern nimmt. Den Zug begleitet eine 
nur um Aufreehthaltung der Ordnung bekümmerte Söldner- 
schaar zu Pferde, unter welcher sich auch mehrere von 
fanatischer Wuth entbrannte Juden befinden. Dieses mei- 
sterhaft und in hohem Grade dramatisch behandelte Ge- 
mälde zeigt uns auf eine höchst ergreifende Weise den 
Adel der über alle Leiden erhabenen, nur dem Ewigen zu- 
gewendeten Seele in dem Ileilande, und das tiefste Mit- 
leiden in den Frauen gegenüber dem geiühllosen Stumpf- 
sinn der Schergen, der Kälte der Römer und dem verhal- 
tenen Grimm der Juden. Über alles aber strahlt die zwar 
körperlich den Schmerzen erliegende, aber in hoher geisti- 
ger Würde glänzende Gestalt des Heilandes, der in tiefem Er- 
barmen die den Juden nahe bevorstehende verhängnissvolle 
Zukunft zu verkünden scheint. Das herrliche Werk, so 
sollte man fast glauben, wurde auch besondern himmlischen 
Schutzes gewürdigt; denn nachdem das Schiff, worauf es 
nach Palermo verladen war, gescheitert und die Wannschaft 
sammt den übrigen Gütern zu Grunde gegangen, langte al- 
lein die Kiste mit der Altartafel wohlbehalten. im Hafen 
von Genua an. Dieses Ereigniss, einem Wunder gleich, 
erregte hohe Freude in der Stadt und die Nachricht davon 
verbreitete sich bald über ganz Italien. Auch zu den Mön- 
chen nach Palermo gelangte sie; aber nur mit grosser Mühe 
und durch die Verwendung des Papstes gelang es ihnen, 
von den Genuesern das wundervolle Werk seiner Bestim- 
mung- gemäss für ihre Kirche zu erhalten. Unter der 
spanischen Herrschaft wurde es von Philipp IV für die 
königliche Capelle in Madrid erworben und befindet sich 
jetzt, nach einer Wanderung nach Frankreich, im Madrider 
Museum. Durch den Stich von Toschi ist das Bild allge- 
mein bekannt. 
Ein anderes Altarblatt, der Besuch Mariä bei Elisa- 
beth, malte Rafael für die Kirche S. Silvestro vdelf Aquila 
in den Abruzzen. Maria, in reiner Schöne, begriisst ju-
        

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