Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511421
Die 
Krönung 
Mariä. 
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eigenen geistigen Seelenleben. Wohl ist nie ein Meister 
in der Kunst tiefer in die.Geheimnisse des Gemiiths und 
der Lebensverhältnisse eingedrungen, hat höhern sittlichen 
Ernst und eine ergreifendere dramatische Entwicklung in 
seinen Werken erreicht, als Rafael in diesen Darstellungen 
aus der Apostelgeschichte. Bei solcher Verbindung der 
höchsten Forderungen an die bildende Kunst schätzt man da- 
her mit Recht diese Compositionen als unübertroffen von al- 
lem was je in rein historischen Darstellungen ist geleistet 
worden.  
Ausser den Cartons aus der Apostelgeschichte, fertigte 
Rafael auch noch einen zur Tapete für den Altar in der 
Sixtinischen Capelle'). Sie stellt die Krönung Mariä dar, 
und zeigt uns die heilige Jungfrau auf einem Throne mit 
Christus sitzend, welcher ihr die Krone aufs Haupt setzt. 
Über ihnen schwebt Gott Vater in einer Glorie von Engeln 
und der heilige Geist. Zu den Seiten halten zwei Engel 
einen Vorhang und tiefer stehen auf der einen Seite Jo- 
hannes der 'l'äufer nach dem Heilande hinweisend, auf 
der andern links der Kirchenvater Hieronymus die Hände 
zum Anbeten gefalten. Diese symmetrische Anordnung ge- 
winnt noch einen eigenthiimlichen Reiz durch die lieblichen 
Gestalten zweier an den Stufen singenden Engelknabem 
Rafael, welcher in den Darstellungen aus der Apostelge- 
schichte zeigte, wie auf eine freie, lebendige Weise rein 
historische Gegenstände dramatisch zu behandeln seien, 
glaubte sich nach seinem richtigen Gefühl, bei dem Altar- 
blatt streng an eine symmetrische Axiordnung halten zu 
müssen, wie es auch von alters her bis zu seinen Zeiten 
gebräuchlich war. Das einzige, was er sich nach seinem le- 
1) Es gibt davon einen Stich von Agostino Veneziano und ei- 
nen andern vom Meister mit dem Würfel. Im Catalog der päpstli- 
chen Calcographie vom Jahr 1748 steht bei dem Blatt die Notiz: 
"nella capella di Sisto IV in Vaticano." Taja erwähnt die Tapete in 
der kleinen Sacristei.  Ülier die Tapeten mit Darstellungen aus 
dem Leben Christi, welche König Franz I an Clemens VII sendete, 
siehe das Nähere im Verzeichniss der Werke RafaePs im zweiten 
Theil.
        

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