Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511413
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Die 
der 
Bilder 
Tapeten gewürdigt. 
ordnung im allgemeinen und über das tiefe Eindringen in 
die geistigen Verhältnisse und in eines jeden besondern 
Charakter. Rafael hielt hier seine Gestalten entfernt von 
Portraitähnlichkeit, gab ihnen aber ein individuelles Leben 
durch ein auf die Wahrheit begründetes, scharfes Hervor- 
treten ihrer Charaktere. Seine auf eiuc gewisse Weise 
idealen Gestalten sind daher weit entfernt von nichtssagen- 
den akademischen Formen, sie zeigen vielmehr zum höch- 
sten Grade gesteigerte, von allem Zufälligen befreite Indi- 
vidualitäten, die zugleich mit der grösstcil Meisterschaft darge- 
stellt sind. Auch die Gewandung behandelte Rafael nach 
denselben Grundsätzen, denn wenn er sie auch auf eine so 
wahre Art darstellte, dass man das Wirkliche zu sehen 
glaubt, so folgte er doch mehr dem idealisch gehaltenen 
T ypus der 'l'radition, suchte die Bewegungen iiberall im Gange 
der Falten wahrnehmen zu lassen und entwickelte darin ei- 
nen Schönheitssinn und einen Reichthum der Motive, wie 
solches bei keinem andern Meister sich findet. Diese gross- 
artige, auf die wesentliche Natur der Dinge gegründete Be- 
handlungswveise, dieser reine, aber reiche Ausdruck eines 
Gedankens oder einer Sache, mit den einfachsten, noth- 
wendigstcn Mitteln, diese , ich möchte sagen, directe Art, 
Ideen durch die bildende Kunst in Form auszuprägen, ist das, 
was wir im strengsten Sinn des Wortes Styl, den histori- 
schen Styl nennen. Diesen besass Rafael im höchsten Grad 
und er wird in den 'l'apcten noch durch die harmonische 
und angemessene Anordnung gehoben, wodurch wir auch 
im allgemeinen in den wenigen, aber lebendigen und be- 
deutungsvollen Ziigen den jedesmaligen Inhalt mit einer so 
männlichen Klarheit vorgetragen finden, dass wir sogleich 
auf den rechten Standpunkt geführt und auf eine wunder- 
bare Weise von der Gesammtwirkung ergriiien werden. In 
den Compositionen der Tapeten finden wir Giotto's plasti- 
sche Grandiosität, verbunden mit der Vollendung des Ein- 
zelnen, welche zu Anfang des 16. Jahrhunderts die italieni- 
sche Kunst auszeichnete; die Reinheit des Geschmacks, 
welcher durch die Kenntniss der antiken Werke erworben 
wurde, verbunden mit dem höhern, der christlichen Kunst
        

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