Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511396
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Cartons zu 
den 
Tapeten. 
weisen des Paulus entgegenzusetzen?" Die Anwesenden 
aber blicken erstaunt bald nach dem Zauberer, bald nach 
dem Glaubenshelden Paulus hin. Rafaefs tiefe hlenschen- 
kenntniss zeigt uns hier auf eine mannigfache Weise die 
Wirkung göttlicher Kraft: In dem gotterftilltezt Apostel die 
erhabene Wiirde, welche nur tiefe Überzeugung geben kann; 
in Sergius den nach Wahrheit strebenden Mann, der, wenn 
sie ihm offenbar wird, sich ihr zu ergeben geneigt ist, und 
hier, von dem Zeichen ergriffen, sich von allen Zweifeln 
befreit findet; in den entgegenstrebeltdexi Geistern sehen 
wir dagegen verhaltenen Grimm, in den gemeinen nur das 
Anstarren des äusseren Zeichens; in dem erst kurz zuvor 
noch so frevelmtithigen Zauberer aber zeigt sich ganz die 
schwer auf ihm ruhende Last, welche göttliches Ziirnen 
über ihn verhängt. 
Paulus und Barnabas in Lystra. Der Apostel der Hei- 
den hatte einen Lahmen in Lystra geheilt, weshalb das 
Volk die Jünger Christi für Götter, für Jupiter und Mer- 
cur hielt, und die Priester auffordert-e ihnen Stiere und 
Widder zu opfern. Als die Apostel dieses wahrnehmen, 
zerreissen sie ihre Kleider, vermögen aber kaum das Volk 
von seinem Vorhaben abzubriltgen. Es ist schon öfters be- 
merkt worden, dass die Gruppe des Opfers einem antiken 
Basrelief  entnommen ist; wer möchte den Meister darum 
tadeln? Sicher konnte er diesen Theil seines Gegenstan- 
des dem antiken Gebrauche nicht getreuer darstellen. Aber 
lauf eine bewundrungswviirdige Weise wusste Rafael gleichfalls 
in den Figuren der Apostel und des geheilten Lahmen, der dan- 
kend sich nach Paulus wendet, so wie in einem Alten, der ver- 
wundert dessen nun. hingeworfene Krücken und dessen geheil- 
ten Beine betrachtet, dem Jüngling, welcher den Opferer von 
seinem Vorhaben znriickhält, und dem Ausdruck des Zorns in 
einigen Köpfen des Volkes, den llauptmomextt der Begebenheit 
mit ihrer nächsten Vergangenheit und Zukunft in wenigen be- 
deutungsvollen Ziigen zur Atlschaunng zu bringen. 
1) Abgebildet auf Tab. X in Pietro Santi BarLoli Amiranda 
Romanorum etc. 1793. Es ist wohl dasselbe, welches sich nun in 
der Sammlung der Bibliothek zn Mantna befindet.-
        

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