Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511265
Der 
Burybrand. 
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welche hiilfreich Wasser zur Löschung des Feuers herbei- 
tragen und deren Gliederpracht sich durch die vom Wind 
stark bewegten Gewänder aufs reizendste durehzeichnet. 
Nicht minder wegen ihrer grossen Wahrheit bewundrungs- 
würdig ist die Gruppe der sich selbst vergessenden ltlutter, 
nur besorgt ihren Säugling gerettet zu wissen, yvährend der 
am Hause stehende Vater angstvoll sich emporstreckt, um 
in-sicherm Arm seinen Sprössling der Gefahr zu entreisseil. 
Eben so der dem Bett unbekleidet entsprungene Jüngling, 
welcher sich von hoher Mauer an beiden Armen herablässt 
und nach unten schaut, um die Entfernung des Grundes zu 
messen, auf den er sich eben fallen lassen will. Es ist 
eine herrliche Gestalt voll Fülle und Jugend. Noch leb- 
haftere Bewunderung erregte die Gruppe des kräftigen Man- 
nes, der von all seiner Habe nur das ihm wertheste, den 
alten dem Grabe nahen Vater rettet, während sein junger 
Sohn neben ihm herläuft und ein altes Weib, in der Ver- 
wirrung säumend, geringen, aber durch Gebrauch lieb ge- 
wordenen Ilausrath mit sich schleppt. Rafael fand in die- 
sen Darstellungen Gelegenheit, nackte Körper der verschic- 
densten Alter mit tiefer Kenntniss und grosser WVahrheit 
darzustellen: in dem Vater männliche Kr_aft, in dem Greise 
die Erschlaffung des Alters, im Knaben die Anmuth der 
Jugend. Es ist schon öfters bemerkt worden, dass Rafael 
bei diesen Figuren mit Michel Angelo in die Schranken ge- 
treten sei, und bei dem hiernach angestellten Vergleich wurde 
stets zu Gunsten des Letztern entschieden, indem dessen 
Zeichnung und Modellirung des Nackten mit tiefer ins Le- 
ben eingehender Wissenschaft behandelt sei, so dass in den 
vollen UmrisQ-n und in jeder einzelnen Faser die vollste Le- 
bensthätigkeit wirksam zu sein scheine. Wenn wir nun auch 
diesem Ausspruch beistimmen, so müssen wir dagegen bei 
Rafael einen andern Vorzug anerkennen: nämlich das Na- 
turgetreuc und Charakteristische seiner Formen, welches 
an den hier dargestellten vier verschiedenen Altern des 
Mannes schon erwähnt wurde. Diese Eigenschaft suchen 
"All" Vergeblich bei Michel Angelo, der zarte Bildungen ver- 
schmähte, überhaupt nur einem individuellen, aber grossar-
        

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