Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511232
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Krönung 
des 
Kurfs 
G TOSSCN. 
inqiiiriren und sich mit dem Reinigungseiile des Papstes be- 
gnügte. Unter diesem Gemälde stehen die Worte: „Gott, 
nicht den Menschen steht es zu, Bischöfe zu richten." 
Diesemnach soll uns also hier die nur Gott verantwortliche 
Oberherrschaft der päpstlichen iiber alle weltliche Gewalt 
dargestellt sein. 
Das zweite Wandgemälde stellt die Kaiserkrönung Karls 
des Grossen durch Leo III dar, hindeutend auf die An- 
sicht, dass die weltliche Macht ein Ausfluss aus der geist- 
lichen sei. Andererseits mochte es auch dazu dienen das 
Gedächtniss der Zusammenkunft und des Bündnisses Leo X 
und Franz I in Bologna im Winter 1515 auf 1516 zu ver- 
ewigen, indem beider Herrscher Bildnisse in den Ilauptf 
personen dargestellt sind. Ein Edellmabe hält hinter dem 
vor dem Papst knienden Kaiser die lombardische eiserne 
Krone. In ihm hat Rafael ilach des Papstes Wunsch den 
kleinen Hippolito de' Medici abgebildet, der damals ein 
überaus schöner, lebendiger Knabe war, und den, wie Paolo 
Giovio berichtet, der Papst zu sich in den Vatican genom- 
men und sehr lieb gewonnen hatte  Ausserdem sind in 
diesem Bilde, besonders unter den Bischöfen noch viele andre 
Portraite angebracht, unter denen Vasari namentlich Gia- 
nozzo Pandoltini aus Florenz, Bischof von 'I'roja, erwähnt, 
der mit Rafael sehr befreundet war und einen schönen Pa- 
last nach dessen Plan in seiner Geburtsstadt bauen liess. 
Dieses und das vorher erwähnte Bild, welche mehr Feier- 
lichkeiten denn Handlungen vorstellen, in denen sich Cha- 
raktere entwickeln lassen, erregen daher ein nur unterge- 
1) Hippolito war der natürliche Sohn des Giuliaxlo (le' Medici 
mit Paclfxca Brandani, einer Edelexx aus Urbino. Pletro Bembo lll 
einem Brief vom 3. April 1516 an den Cardinal da Bibiena schrieb: 
H0 vlsitatojnf altra volta il S. Hippolitino in casa sua: Emmi pa- 
ruto hoggi pill bello, ehe quesli altri glorni, e nel vero e grassetto 
piü che iu Vhabbia per ancora veduto. Vl sl racconumda e dice, 
ehe gli portlate una di quelle bagatelle, che saltano in pie. Hannmi 
abbracciato stretto stretto, come solia fare Vostm Signoria, dicen- 
dngli io, ehe lo basciava per vostro nome.  Vom 25. April 1516: 
Hieri vidi il S. Hippolitino nel giardixlo" della casa di N. S. piü 
bellß che aluunß florl (li (11121 giardino.
        

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