Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511201
Die 
Hesekieläe 
Vision 
257 
Noch ein anderes aber kleines Bild sendete Rafael um 
diese Zeit, wie uns Vasari berichtet, nach Bologna, und 
zwar an den Grafen Vincenzo Ercolani. Es stellt die Vi- 
sion aus dem ersten Capitel des Propheten Hesekiel dar, 
und richtig bemerkt derselbe Kunsthistoriker, dass darin 
Christus gleich einem Zeus im Himmel von den vier Zei- 
chen der Evangelisten umgeben dargestellt sei. Denn wirk- 
lich nähert sich im Bildchen die Gestalt des Jehova, der 
Auffassungsweise nach, mehr einem Jupiter in der gewalti- 
gen Art des Michel Angele, als dem altehristlichen Typus. 
Sollte nun Rafael auch deswegen von streng an dem Alt- 
lierkömmlichen haltenden Kunstfrexlnden getadelt werden, 
so ist doch zuzugeben, dass hier diese Figur dem gewalti- 
gen Charakter des Jehova, wie ihn die Propheten darstel- 
len, entsprechender behandelt ist, als in den Bildern dessel- 
ben, wo er, der spätern christlichen Ansicht nach, in liebe- 
voller Milde erscheint. Welche Meinung man indessen auch 
darüber habe, sicher bewährt sich auch hier RafaeYs Ge- 
nius, indem er Grossartiges in kleinem Raume zu gestalten 
und es durch den überwältigenden Charakter einer Vision 
mächtig zu ergreifen wusste. Das Originalbild, von dem es meh-' 
rere Copien gibt, findet sich schon im Inventarium der 
Kunstwerke in der 'I'ribune von 1589 aufgezeichnet und 
ziert jetzt den Palast Pitti zu Florenz. 
Mit grossem Lobe erwähnt Vasari eine Geburt Christi 
(also Maria und Joseph, welche das neugeborne Christkind 
anbeten), die Rafael um diese Zeit an den Grafen von Ca- 
meister der Stadt. Betrachten wir seinen milden Charakter nnd das 
Wohlwollen, das sich in seinem Sonett an Rafael ausspricht, so 
müssen wir die schon von Vasari bezweifelte Sage, dass Francia 
aus Schmerz, sich durch das Gemälde RafaePs so weit übertroffen 
zu sehen, gestorben sei, als eine Fabel betrachten. Irrig ist übri- 
gens die Angabe des Malvasia, dass das im Jahr 1526 gemalte Al- 
tarblatt, die Madonna mit Heiligen darstellend, welches aus der 
Capelle Felicini der Franciscanerkirche später in die Bologneser Pi- 
nakothek. gelangte, von Frnnßesco gemalt sei. Es ist ein Werk 
seines _Sohnes Giacomo und trägt die Inschrift: J. 1. FRANCIA. AVRIF- 
uowox. um. mnxxvr.   
 I.  17
        

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