Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1511174
254 
Die 
Caecilia. 
nisse und bei gleicher Gewandtheit in der Anwendung neuer 
Formen, seine Erfindungen in rationell architektonischen 
Schranken hielt, während der phantasiereichere Rafael diese 
zuweilen überschritt. Zu Michel Angelo dagegen steht er 
als Architekt in einem entgegengesetzten Verhältniss, in- 
dem er sich nie die Wlillkür in den architektonischen For- 
men und Verzierungen wie dieser erlaubte und sich über- 
haupt in allen Theilen durch eine grössere Harmonie und 
Reinheit des architektonischen Styls auszeichnete. 
Noch ist nachzutragen, welche Ölgemälde Rafael zu 
Anfang der Regierung Leo X ausgeführt, um dann zu den 
übrigen grossen Werken überzugehen, mit denen er den 
Vaticanischen Palast ausgeschmückt. 
Nach glaubwürdigen Nachrichten  war es im October 
1513, als eine adlige Bologneserin, die später seliggespro- 
chene Elena Duglioli, del Oglio genannt, sich im Geiste 
gedrungen fühlte, ider h. Cäcilia eine Capelle in der Kirche 
S. Giovanni in Monte bei Bologna errichten zu lassen. Sie 
wendete sich deshalb an ihren Gönner und Verwandten An- 
tonio Pueci, einen Floreuliner, der es auch über sich nahm 
die Capelle auf seine Kosten errichten zu lassen, und da 
grade damals dessen Oheim, Lorenzo PllCCl, zum Cardinal 
von Sauti Quattro war erhoben worden, so erhielt Rafael 
durch diesen den Auftrag die Altartafel für jene Capelle 
zu malen. Wie nun eine Inspiration zur Anfertigung des 
Bildes Veranlassung gab, so scheint auch die Conception 
im Geist des Künstlers ähnlichen Ursprung gehabt zu ha- 
ben; denn in diesem herrlichen Werke sind alle Theile von 
himmlischer Gluth durchströmt, himmlischer Harmonien voll. 
Die edeln Gestalten von den verschiedensten Charakteren 
tragen alle das Gepräge göttlichen Wesens und, bei noch 
so bewegter Seele, den Ausdruck der Glückseligkeit ewigen 
Friedens. Im Apostel Paulus, auf sein blosses Schwert ge- 
stützt, erblicken wir im Ausdruck tiefer Erkenntniss und 
Weisheit die Kraft des in ihm waltenden göttlichen Gei- 
1) P. Meloni 
Pungileoni p. 144. 
Atti 
6 
memorie 
di 
Santi 
III. 
Bolognesi.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.