Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510963
Über 
das 
Ideale 
der 
in 
Kunst. 
233 
sowohl bei Gelehrten des Alterthums, als bei solchen der 
neusten Zeiten, wobei ich nur an die von Plillllls erzählte 
und auch in unsern Tagen noch so hoch gestellte Täu- 
schung durch den gemalten Vorhang dCS Pafrhasllls Hin" 
nern will, die doch fiir nichts anders als für eine Künst- 
lerbravour, als für einen Scherz anzusehen ist. Weit ent- 
fernt also in RafaePs Ausspruch: dass, da in der äusscrn 
Erscheinung die vollkommene Schönheit selten, oder gar 
nicht zu finden sei, er sich zur Darstellung derselben einer 
gewissen Idee bediene, etwas in seiner Zeit Neues zu er- 
blicken, ist vielmehr zu behaupten, dass er nur in reiche- 
rem Masse, wie alle grossen Künstler vor ihm, nach der 
Darstellung einer in Schönheit verklärten Welt gestrebt habe. 
Will man übrigens in obiger Stelle aus RafaePs Brief einen 
Anklang an Platonische Ansichten finden, indem dieser 
Weltweise die Schönheit nicht bloss nach ihrem sinnlichen 
Eindruck beurtheilt, oder sie für ein bloss Äusserliches 
hält, sondern, wie er im Phädros sagt, für eine glänzende 
Idee aus der übersinnlichen Ilöhc, die vor unser sterbliches 
Auge tritt und in uns Erinnerungen eines vorweltlichen, 
seligen Zustandes weckt, so ist dieses gerne zuzugeben, 
und mancher Grund lässt sich aus früheren Mittheilungen 
dafür entnehmen. Ja, wir finden es sehr natürlich, dass 
der philosophischste aller Maler dem erhabensten, edel- 
sten aller Philosophen gehuldigt habe. 
Noch müssen wir auf eine andere Stelle des Briefes 
zurückkommen, wodurch wir erfahren, dass Rafael dem Gra- 
fen einige Zeichnungen nach dessen Angabe gefertigt und 
ihm zur Wahl eingesendet hatte. Wahrscheinlich betrafen 
sie die Entwürfe zu einer Meilaille, die nach des Nigrinns 
so viel weniger nothwexidig und rein menschlich, als sie einem be- 
stimmten Subject eigenthümlich ist. Nur in WVegwex-fung des Zufäl- 
ligen und in dein reinen Ausdruck des Nothwendigen- liegt der grossß 
Styl."  Göthe sagt; „ Die höchste Aufgabe einer jeden Kunst ist, 
durch den Schein die Täuschung einer höhern Wirklichkeit zu ge- 
ben. Ein -falsches Bestreben aber ist, den Schein so lange zu ver- 
wirklichen, bis endlich nur ein gemeines Wirkliche übrig bleibt."
        

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