Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510944
Über 
(las 
Ideale 
in 
der 
Kunst. 
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durch bei den spätern Künstlern die- falsche idealische Rich- 
tung, oder die Manier sei hervorgerufen worden. Allein 
diese Ansicht erscheint mir als völlig ungegründet; denn es 
liegt in dem ursprünglichen Bestreben nach Kunstgebilden 
nicht das der Nachahmung der iiussern Natur, sondern die 
Versinnlichuug einer Idee ihrer Empfindung nach (nicht 
nach dem Begriff, welcher der Wissenschaft angehört). 
Muss sich nun auch die bildende Kunst der Formen bedie- 
nen, die ihr die sichtbare Schöpfung als eine folgerechte 
Erscheinung ihrer geistigen Natur darbietet, so ist es doch 
grade das Wesen der Kunst im Einklang mit der Bestim- 
mung des lilenschen, die in der Natur, wie in einer Knospe 
inwohnenden geistigen Ißigensehaften zu entwickeln, eine 
verklärte Welt darzustellen. Wir sehen daher in allen An- 
fängen der Ilach dem Ilöhern gerichteten, bildenden Kunst 
bei noch rohen Völkern, nicht sowohl eine sorgsame Nach- 
ahmung der äussern Erscheinung, sondern das Bestreben 
eine geistige Eigenschaft, eine Plmplindung zu versinnlicxhen. 
Nach den verschiedenen Zuständen eines Volkes ist der 
Charakter der Bestrebungen auch verschieden: bei den ro- 
hen Völkern waltet der Charakter des Grausenhaften vor, 
da das Ungekannte, aber Geahmlete diese Empfindung her" 
vorruft. Ohne hier auf Entlegenes Bezug nehmen zu wol- 
len, wie z. B. auf die Götzenbilder des alten Ägyptens, 
oder des neuenttleekten Australiens, erinnere ieh_ hier nur 
an die mittelalterlichen Gebilde des lU. Jahrhunderts in ita- 
lien selbst. Nachdem aber das Leben eine heiterere Ge- 
stalt angenommen, der Geist sich mehr von der barbari- 
schen Strenge zur christlichen Milde gewendet, sehen wir 
auch die bildende Kunst eine ideale Schönheit erstreben. 
Schon die iVerke eines Cimabue in Florenz und eines Si- 
mone di lilartino in Sicna zeugen von diesem Gefühl für 
ideale Schönheit, welches sich bei Fra Angelieo da Fiesole 
zu wahrhaft himmlischer Reinheit erhoben, sich aber ent- 
schieden bei Rafael als ein errungenes Eigenthum, als ein 
männliches Bewusstsein ausspricht. Wir sehen also, Seitdem 
die bildende Kunst zu neuem Leben erwachte, ein Streben 
nach einer ideellen Vollkommenheit, welches bis zur höch-
        

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