Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510935
230 
Rafael an 
Castigliozze. 
gibt sich aus einer schriftlichen Antwort Rafaefs an den 
Grafen Castiglione, welche noch andere interessante Mit- 
theilungen enthaltend, folgenden Inhalts ist: 
Herr Graf! 
Ich habe verschiedene Zeichnungen nach Ew. Herrl. 
Angaben gemacht und alle sind damit zufrieden, wenn sie 
mir nicht alle schmeicheln. Meinen Anforderungen aber ist 
nicht Genüge geleistet, da ich fürchte, den Eurigen nicht 
zu entsprechen. Ich sende indessen Ew. IIerrlichlq-it die 
Blätter, um einige daraus zu wählen, wenn sie als würdig 
befunden werden. Unser Herr, indem er mich beehrt, hat 
mir eine grosse Last auf meine Schultern gelegt, nämlich 
die Aufsicht über den Bau von S. Peter. Ich hoffe zwar 
nicht darunter zu erliegen, um so mehr, als das Modell, 
welches ich davon gemacht, Sr. Ileiligkeit gefallen hat und 
von vielen schönen Geistern gelobt wird. Aber ich erhebe 
mich noch höher in Gedanken: ich wünsche die schönen 
Formen der antiken Gebäude zu finden, weiss aber nicht, 
ob es der Flug des Icarus sein wird. Vitruv gibt mir ei- 
niges Lieht, aber nicht so viel als hinläixlgiich ist. Wiegen 
der Galalhea wurde ich mich für einen grossen Meister 
halten, wenn die Hälfte der schönen Dinge wahr wären, 
welche mir Ew. IIerrl. schreiben; aber ich erkenne in Enern 
Worten die Liebe, die Ihr zu mir tragt. Ich muss sagen, 
dass, um eine Schönheit zn malen, müsste ich deren meh- 
rere sehen, mit der Bedingung, dass Ew. Ilerrlichkeit sich 
bei mir befanden, um das Beste zu wählen. Da aber gute 
Richter und schöne Weiber selten sind, bediene ich mich 
einer gewissen Idee, die mir vorsehwebt. IIat diese nun 
etwas gutes in der Kunst, ich weiss es nicht, wohl aber 
bemühe ich mich darum. Ew. Herrlichkeit empfehle ich 
mich. Aus Rom. 
Rafael. 
Merkwürdig erschien manchen 'l'heorelikerx1 die Äussee 
rnng Rafaefs in diesem Brief, dass er zur Darstellung ei- 
ner vollkommenen Schönheit sich einer gewissen Idee, eines 
Ideals bediene, und sie glaubten darin eine neue Erschei- 
nung in den damaligen Knnstansichten zu erblicken, wo-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.