Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510899
226 
Bilfaefs 
Geliebte. 
der liebenswiirdigsteu lilenschen, bis zu seinem Lebensende 
mit einem weiblichen Wesen hätte verbunden bleiben Rom 
nen, welches aller geistigen Grazie ermangelt hätte, und 
durch das Leben mit dem herrlichen Mann nicht auch durch 
dessen Geist berührt, zu edlerem Leben wäre emporgeho- 
ben worden. Das reizende Portrait entstand, der Behand- 
lungsweise nach zu schliessen, erst in der letzten Lebens- 
epoehe llafaeYs, und ist selbst nicht ganz von ihm vollen- 
det. Denn so geistvoll und meisterhaft auch der Kopf, so 
schön das den Busen bedeckende Linnen und der weite 
damastene Ermel behandelt sind, so schiilerhaft sind dage- 
gen die Hände und der übrige Theil des Bildes ausgeführt. 
Es wird daher sehr wahrscheinlich, dass Rafael dasselbe 
unvollendet hinterlassen, und erst nach seinem Tode die 
nur untermalten Theile iibermalt wurden. Tafel VI zeigt 
eine Abbildung davon. 
 Gerne möchte ich nun im Stande sein einige nähere 
Auskunft über die Beglückte selbst geben zu können, wel- 
che in der Geschichte stets RafaePs Namen begleiten wird. 
Man hat ihr den Namen Fornarina gegeben, und dürften 
wir dem Misserini  Glauben beimessen, so wäre sie die 
Tochter eines Sodabrenners gewesen, welcher über dem 
'l'iberfluss bei S. Cecilia wohnte. Noch zeigt man ein Häus- 
chen mit einer schönen alterthiimlicheil Fenstereinfassung 
von gebrannter Erde in der Strasse S. Dorotea No. 20, als 
ihr Geburtshaus. Dazu soll ehedem ein kleiner Garten ge- 
hört haben, in den man über eine niedere Mauer hinein- 
sehen konnte, und in welchem das liebliche Mädchen oft 
verweilt habe. Ihre Schönheit sei daher bald ins Gerede 
gekommen und die jungen Leute, besonders die Zöglinge 
der Kunst, stets leidenschaftliche Freunde des Schönen, 
hätten sich im Vorbeigehen oft an der Mauer auf die Ze- 
hen gestellt, das herrliche Mädchen zu sehen. Auch Ra- 
fael, den begeisterten Verehrer der Schönen, habe ihr Ruf 
hingelockt, und da er das Mädchen grade belauscht habe, 
wie sie an einem im Garten springenden Wasser die Füsse 
IVL 
an R. 
Miiserini 
bei Longhena p. 
Arrigoni 
657.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.