Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510889
Rafael 's 
Gelieliie. 
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Kopf ein gelbgestreiftes Tuch gleich einem Bund, und gibt 
ihrer sonst nicht sehr belebten, oder feinen Gesichtsbildung 
etwas ausgezeichnetes, reizendes. Mit der Rechten drückt 
sie ein durchsichtiges Linneiltilch an ihre Brust, und -ein 
rothes Gewand bedeckt ihren Schoos, auf dem der linke 
mit goldner Spange geschmückte Arm ruht. Liebend hat 
Rafael auf den Reif seinen Namen eingeschrieben. Das 
Original, von dem es viele alte Copien in Rom gibt, ist 
bereits seit 1642 unter den Gemälden im Palast Barberixii 
verzeichnet, kann also das nicht sein, welches die Botti in 
Florenz noch im Jahr 1677 besassen. Dagegen wird seit 
1824 im Palast Pitti in Florenz ein herrliches Frauenpor- 
trait gezeigt, das sich nicht im Inventariilm der Tribune 
verzeichnet findet, aber uns dem Gemäldevorrath der Gross- 
herzoge von Toscana kömmt und das Bild der Geliebten 
Rafaefs zu sein scheint, welches Vasari erwähnt  Auf- 
fallend ist in diesem Bildniss die Ähnlichkeit mit der Dresdner 
Madonna di San Sisto, nur dass ihre Ziige in der h. Jung- 
frau veredelt und zu göttlicher Reinheit. verklärt erschei- 
nen, während wir im Portrait eine echt römische Indivi- 
dualität sehen, wie wir deren noch heute finden, und wie 
sie heute noch im hohen Grad bezaubern kann. Die mäch- 
tigen Formen dieser Römerin beherrscht fürstlicher An- 
stand; ein gliihendes Feuer blitzt aus den dunkeln Augen, 
und um den Mund spielt die Grazie eines lieblich scher- 
zenden Witzes. Stellt das Bild, wie man glauben kann, 
dieselbe Person dar, wie die des Barberinischen Portraits, 
so hat Rafaefs Umgang die Anlagen des Mädchens über- 
aus entwickelt und ihre Seele zu einer Anmnth gestimmt, 
von der wir in jenem Naturkind kaum eine Spur erblicken, 
In der That wäre es auch auffallend, wenn Rafael, einer 
1) Da Vasari zweimal unter den von Rafael gemalten Portrai- 
tcn das seiner Geliebten erwähnt , ohne indessen zu sagen, dass er 
damit zwei verschiedene Bilder meine, so drängt sich doch der-Ge- 
ilanke auf, 0b er nicht beide hier erwähnte gekannt habe. Auch 
der Ausdruck: "ritrasse    ed altre donne e particolarmentä 
quelle. sua" scheint darauf lxinzudeuten, dass Rafael sie mehr ale 
einmal gemalt habe.  
l.  15
        

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