Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510704
Graf B. 
Castiglioaze. 
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eine grosse Ungebundenheit im Denken und in den Sitten. 
Zu dieser Richtung trug nicht wenig bei, dass seit der 
Mitte des 15, Jahrhunderts im allgemeinen die höhere Bil- 
dung sich ganz dem classischen Mterthum zugewentlethatte, 
wodurch zwar ein freierer Blick in die allgemeinen Verhält- 
nisse gewonnen wurde und bei edleren Naturen sich ein 
wahrhaft humanes und geistvolles Leben entwickelte, aber 
zugleich auch im allgemeinen die christlichen Grundsätze 
immer mehr in den Hintergrund gedrängt wurden und 
eine Üplmigkeit aufschoss, welche bei den niederen Natu- 
ren nur allzugrossen Anklang fand. In der Kunst, welche 
wir hier allein zu berücksichtigen haben, sehen wir daher 
neben den schönsten Bliithexi auch den nahen Verfall, .dem 
sie ilnterlag, sobald der Geist sittlicher Strenge und des 
höhern Lebens entwichen war. Rafael ist indessen glück- 
lich zu preisen, in einer Zeit gelebt zu haben, in der er 
selbst der edelsten einer mit so vielen edeln Geistern im 
engsten Verband lebte und durch sie getragen zu einer 
Ausbildung in der Kunst gelangte, welche nie von andern 
ist erreicht worden, ' 
Von Rafaels gelehrten Freunden, welche sich längere 
Zeit am Hof Leo's X in Rom befanden, nennen wir zu- 
forderst als einen seiner vertrautesten, den uns schon be- 
kannten Grafen Baldassare Castiglione aus Casatico bei 
Mantua. Von Franeesco Maria, Herzog von Urbino, in 'des- 
sen Angelegenheiten an den neuerwählten Papst gesendet, 
hatte er die Freude seinen innig geliebten Rafael wieder 
umarmen zu können. Von Leo X wurde er auf eine aus- 
gezeichnete Weise auigenomlnen und fortwährend behan- 
delt. Mit Jacopo Sadoleto, Pietro Bembo, Federico Fre- 
goso, Filippo Beroaldo dem jiingern, Antonio Tebaldeo, 
Andrea Navagero, Agostino Beazzano u. a. m. stand er in 
den freundlichsten Verhältnissen," so dass er durch seine 
liebenswürdigen Eigenschaften, seine Kenntnisse und seinen 
Eifer für Kunst und Wissenschaft ein Mittelpunkt dieses 
ausgezeichneten Kreises wurde  Rafael malte, wie es 
1) wie Sehr er als Gelehrter und als Dichter von classischem 
Geschmack bewundert wurde, davon geben folgende Verße" des
        

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