Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510693
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Leo 
X und 
sein 
oft ränkevolle Politik verfolgen und hauptsächlich darauf 
bedacht, wie er seine Macht zum Vortheil seiner Familie 
benutzen könne   Während Julius II ruhmgierig seinen 
ungeheuern Unternehmungen im Bereich der bildenden Künste 
mit concentrirten Mitteln Nachdruck gab, sehen wir Leo X 
in ilbernlässiger Prachtliebc und ungemesseilen Freigebig- 
keiten ungeheuere ihm zulliessendc Mittel zersplittern, 
daher oft machtlos zu ausserordentliehexl Anstrengungen. 
Demolnlgeachtct dürfen wir ihm die Liebe zur Kunst und 
den Ehrgeiz, ein grosser Beförderer derselben zu sein, nicht 
absprechen, wie dieses in neuster Zeit von sonst schätz- 
baren Schriftstellern geschehcni); vielmehr nahm er be- 
sonders Bafaefs Talent in I10hem'Grade in Anspruch und 
bezeugte den lebhaftesten Antheil an den Wlerken, die die- 
ser für ihn ausfiihrte, wie sich dies im Verlauf dieser 
Darstellung aufs bestimmteste ergeben wird. 
Nach der verschiedenen Individualität der Päpste er- 
hielt auch der römische Hof einen verschiedenartigen Cha- 
rakter. Julius II zu grossartigen Unternehmungen geneigt, 
streng in den Sitten, nur ausgezeichnete Verdienste aner- 
kennend, brachte etwas Herbes in seine ganze Umgebung. 
Bei der Überlegenheit und Energie des Oberhauptes, herrschte 
daher am Hof eine gewisse Zurückhaltung die jedoch grosse 
Talente nicht beschränkte; denn grade weil er selbst einen 
grossen Genius hatte, erkannte und schätzte er ihn auch 
in andern, zog ihn an, förderte ihn, ohne dass eine Über- 
legenheit ihn drückte. Müssen wir zwar auch bei Leo X 
einen freien Umgang mit grossen Talenten anerkennen, den 
er indessen mehr den Studien, als einer grossen Energie 
des Geistes verdankte, so herrschten dagegen am Hofe 
durch sein Beispiel Prachtliebe "und Vergnügungssucht und 
1) Für seinen Vetter Lorenzo de' Medici, der in Florenz herrschte, 
suchte er dem Herzog von Urbind sein Land zu entreissen, und 
üihrte deswegen nach dem Tod seines Bruders Giuliano, der es nicht 
zugeben wollte, kostspielige Kriege. 
2) Carlo Fea Notizie intorno Raffaele Sanzio etc. Roma 1822 
p. 44. und G. F. von Rumohr Italienische Forschungen. Berlin 1881. 
]II p. 123. 
        

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